Menz l "Adina wurde bei den Frauennamen, Alfred bei den Männernamen am häufigstengenannt", sagt Eberhard Schopp, Landwirt aus Menz. Zum Kirchbergfest hatte er die Menzer dazu aufgerufen, Namensvorschläge für die jungen Störche abzugeben. Susi Herschel und Willi Linkorn hatten unter anderem für diese Namen gestimmt. Warum ein eher seltener Frauenname so oft genannt wird, erklärt Schopp so: "So hieß unsere Gemeindeschwester - Adina Grimm." Für Alfred gebe es mehrere Möglichkeiten der Namenspaten, fügte er an.

Ihre Namen bekommen die beiden Störche am Sonntag, als Weißstorchbetreuer Peter Gottschalk mit einem Kran zum Nest der Menzer Vögel aufsteigt, um sie zu beringen. "Und den Nachwuchs zu zählen", fügt er an. Das sei die Aufgabe des Ehrenamts, dass der 50-Jährige bereits seit 30 Jahren ausübt. Ein Elterntier habe er selbst beringt. "2012 in Heinrichsberg in der Börde", erklärte er. Das andere trage keine Markierung. Während Gottschalk seiner Aufgabe nachgeht und Schopp neben ihm auf der Gondel staunend das Nest betrachtet, argwöhnen die beiden Tiere rund 50 Meter entfernt. "Das ist übrigens selten", sagt Gottschalk. Normalerweise flögen die Tiere weg und kreisten um ihr Nest. "Auf dem Boden sind sie eigentlich nicht", fügte er an.

2011 hatte Eberhard Schopp den ersten Storch in Menz gesehen. "Er war allein und immer in der Nähe, wenn ich gesät habe. Die aufgelockerte Erde brachte dann Würmer zum Vorschein." Übernachtet hatte der Vogel auf einer Laterne in der Dorfstraße. "Die Anwohner haben beim Ordnungsamt angerufen, deren Mitarbeiter mich anriefen und mich baten, mich darum zu kümmern."

Gemeinsam mit Peter Gottschalk als Fachmann suchte Schopp eine geeignete Stelle. "Vieles wusste ich nicht. Zum Beispiel, dass ein Storch soziale Nähe braucht. Er will nah am Dorf sein Nest bauen." Schopp errichtete den Pfahl samt Nisthilfe in der Nachtweide am Dorfrand und wartete. "2011 passierte nichts, 2012 auch nicht. 2013 kam er zu zweit. Ich hoffte auf Nachwuchs", erzählt er weiter. "Doch im ersten Jahr gibt es keinen Nachwuchs. Da ist Verlobung. Da prüfen die Tiere, ob sie miteinander harmonieren."

Erst wenn sie im folgenden Jahr wiederkommen, bekommen sie Nachwuchs. "Zudem mussten sie noch ein anderes Paar vertreiben", erzählt Schopp, der täglich nach den Tieren sieht.

Die Tiere sind schon beringt. Fachmann Gottschalk ist schon gefahren, als die Elternstörche - eigentlich noch abwartend, dass sich alle Menschen wieder entfernen - plötzlich eine viel größere Gefahr erkennen und reflexartig zum Nest emporsteigen.

Dort hat ein Rotmilan das Nest erblickt und greift nach einem Jungen. Der rund einen Kilo schwere Greifvogel hat sich verschätzt. Seine Beute ist doppelt so schwer. Er lässt, auch angesichts der viel größeren und aggressiven Störche, seine Beute los. Das Junge stürzt vorbei am Nest und schlägt auf dem Boden auf. Ein Storch hat mittlerweile das Nest besetzt, der andere vertreibt den Milan.

Eberhard Schopp nähert sich dem gefallenen Tier und erkennt, dass es noch lebt. Er ruft Peter Gottschalk an, der umkehrt und keine schweren äußerlichen Verletzungen feststellt. Gottschalk nimmt das Tier und bringt es mit dem Kran hinauf in das Nest. "Die Verletzungen sind weniger schlimm, als zunächst befürchtet." Es sei Zufall gewesen, dass der Jäger am Nest vorbei kam, erläuterte er. Um Futter zu besorgen lassen die Eltern ihre junge oft sehr viel länger allein und begeben sich viel weiter weg, fügte er an. "Auf dem Boden wäre das Junge leichte Beute für den Fuchs", sagt Schopp.

Nun hoffe er, dass das gefallene Junge bald wieder seinen Kopf in die Höhe streckt. Schließlich wisse niemand, ob der Vogel nicht innere Verletzungen habe. "Wir beobachten das Nest genau und drücken die Daumen", sagt der Landwirt.

 

Bilder