Magdeburg/Halle (dpa/rs) l Gegen zwei Uhr morgens gab es in einer Filiale der Magdeburger Stadtsparkasse eine gewaltige Explosion, die den Raum der Selbstbedienungszone und eine angrenzende Bibliothek stark beschädigte. Gegenstände aus der Bankfiliale flogen bis auf die etwa 30 Meter entfernte gegenüberliegende Straßenseite. Zuvor hatten die Täter vermutlich ein Gasgemisch in den Geldautomaten geleitet und gezündet. Die Beute soll nach Volksstimme-Informationen mehrere 10.000 Euro betragen.

Eine Spur gibt es bisher noch nicht. Experten des Landeskriminalamtes sicherten am Morgen Spuren. Auch ein Polizeihubschrauber kreiste über der Bankfiliale, um Übersichtsaufnahmen anzufertigen. Nach Schätzungen der Sparkasse beträgt allein der Sachschaden rund 40.000 Euro. In Magdeburg war zuletzt im November 2013 ein Geldautomat der Sparkasse mit einem Gasgemisch gesprengt worden. Damals hatten sich die Täter einen Schusswechsel mit der Polizei geliefert und waren entkommen.

Laut Polizei ist es bereits der neunte Geldautomat, der 2013 auf diese rabiate und gefährliche Art und Weise geknackt wird. Im kompletten Vorjahr seien es sieben gewesen. Die Täter hinterlassen Trümmerfelder. In der Unesco-Welterbestadt Quedlinburg sprengten Unbekannte am 11. Juni auf einem Tankstellengelände einen Geldautomaten. Wenige Wochen zuvor hatten Diebe ebenfalls in Quedlinburg mit der gleichen Masche Tausende Euro erbeutet. Auch in der Harzstadt Ilsenburg häuften sich die Attacken der Panzerknacker. Im März explodierte ein Automat in einem Einkaufszentrum, einige Tage zuvor missglückte ein Versuch in einer Bank.

"Die Täter haben großes Fachwissen. Wir nehmen das sehr ernst." - Peter Pogunke, Polizei Harz

Die Explosionen sind hochgefährlich. Die Täter leiten ein entzündliches Gasgemisch in die Automaten ein und setzen es in Brand, wie Polizeisprecher Ralf Karlstedt in Halle sagte. Durch die hohe Sprengkraft könnten ganze Gebäude zerstört werden - wie im vergangenen Jahr im Landkreis Mansfeld-Südharz.

In dem kleinen Ort Rothenschirmbach sprengten Unbekannte im Juni 2013 einen Automaten in die Luft. Teile des Bankgebäudes, in dem sich auch eine Bibliothek und Bereiche der Gemeindeverwaltung befanden, wurden damals in Schutt und Asche gelegt. Der Fall sei bis heute nicht aufgeklärt, so Karlstedt. Nun solle die Ermittlungsgruppe "Ilse" - benannt nach den gehäuften Vorfällen in Ilsenburg - den Tätern auf die Spur kommen, sagte Polizeisprecher Peter Pogunke in Quedlinburg. Sieben Beamte beschäftigten sich seit mehreren Wochen speziell mit den rabiaten Fällen. Die Täter hätten ein großes Fachwissen. Sie müssten die Gasgemische richtig dosieren. "Wir nehmen das sehr ernst."

Im vergangenen Jahr schnappte die Polizei zwei junge Männer in Thale, die für die Sprengung eines Geldautomaten in Quedlinburg 2013 verantwortlich sein sollen. Sie wurden bereits zu Haftstrafen verurteilt. Im Fall des am 11. Juni gesprengten Automaten verfolgen die Beamten bereits konkrete Spuren. Vor wenigen Tagen tauchten nahe Derenburg (Landkreis Harz) blau gefärbte 50-Euro-Scheine auf, die aus dem Automaten stammen. Eine geplatzte Farbpatrone hatte die Banknoten markiert.

Eine Gesamtsumme der Beute bei den Überfällen kann nach Polizeiangaben nicht genannt werden. Den Panzerknackern drohen bei einer Festnahme empfindliche Strafen. Je nach Auswirkung der Tat könnten sie unter anderem mit einer Haftstrafe von bis zu einem Jahr wegen Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion belangt werden, sagte Pogunke. Auch Sachbeschädigung und besonders schwerer Diebstahl spielten eine Rolle, sagte Polizeisprecher Marc Becher in Magdeburg.

"Die Banken können wenig tun", sagte die Sprecherin des Bundesverbandes deutscher Banken, Julia Topar, in Berlin. Die Geldautomaten seien hochgradig gepanzert, einige mit Farbpatronen versehen. Aber: "Nur weil ein Täter den Geldautomat aus seiner Verankerung gesprengt hat, heißt es nicht, dass er am Ende auch das Geld hat."