Stendal l Braucht unsere Kinderbetreuung künftig mehr Bachelor- oder Masterabsolventen? Nicht jede Kita- oder Hort-erzieherin muss eine Hochschule besucht haben, aber akademische Abschlüsse sind, zumindest was die Leitungsebene solcher Einrichtungen angeht, gern gesehen, bestätigt Hans-Dieter Klein, Pressesprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Sachsen-Anhalt. "Wir können die frühkindliche Bildung nicht länger nur Facharbeitern überlassen", stellt Klein klar und meint mit Facharbeitern diejenigen, die eine Berufsausbildung in Kinderbetreuung hinter sich haben. Eine Akademisierung, auch auf der Mitarbeiterebene, werde angestrebt. "Selbst die normale Erzieherarbeit setzt immer mehr auf wissenschaftliche Erfahrungen im Bildungsbereich", so Klein.

Erzieher können in Stendal studieren

Solche Erfahrungen werden beispielsweise an der Fachhochschule in Stendal vermittelt. Dort gibt es seit 2009 den Bachelor-Studiengang "Bildung, Erziehung und Betreuung im Kindesalter - Leitung von Kindertageseinrichtungen". In jedem Sommersemester stehen 30 Studienplätze zur Verfügung.

"Mit unserem Angebot wollen wir den Erziehern zusätzliche Kompetenzen zum Beispiel in Sachen Kita-Management vermitteln", sagt Hertha Schnurrer, Koordinatorin des Studiengangs an der Hochschule Stendal. Im Studium werden die Erzieher auch für den Austausch mit Eltern sensibilisiert. "Forschungserkenntnisse müssen in die Praxis umgesetzt werden. Hochschulen können das besser als Berufsschulen", sagt Schnurrer. Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Kita-Trägern in und außerhalb von Stendal hat sich Schnurrer zufolge in den vergangenen Jahren intensiviert. Die Träger bauten das Studium bewusst in ihre Personalentwicklung ein.

Das bestätigt auch Torsten Mehlkopf, Amtsleiter für Jugend und Soziales in Stendal. "Für die Kinderbetreuung brauchen wir Spitzenkräfte, die pädagogisch und konzeptionell fit sind", meint er. Auch die Hansestadt als Kita-Träger habe ein Interesse daran, dass bestimmte Mitarbeiter diesen Studiengang besuchen.

Optimaler Mix aus Praxis und Theorie

Die Stendalerin Brigitte Genz hat vor fünf Jahren einen der Studienplätze ergattern können. Noch während ihres dreijährigen berufsbegleitenden Studiums wurde sie Leiterin der Evangelischen Kindertagesstätte in Stendal. "Der wissenschaftliche Fortschritt auf dem Gebiet ist enorm, da wollte ich besser hintersteigen", sagt Genz, die seit 1989 in Betreuungseinrichtungen tätig ist.

Die Evangelische Kirche als Träger der Kita stand ihren Fortbildungsambitionen positiv gegenüber. Zumal Brigitte Genz damals schon leitende Aufgaben in ihrem Betrieb übernommen hatte. "Der ganze Hochschulkurs war motiviert und hatte Lust auf das Studium", erinnert sich Genz. Sie lobt die Anwendungsbezogenheit des Studiengangs. Theorieaufgaben konnte sie auf konkrete Beispiele in ihrer Kita beziehen. Brigitte Genz glaubt, dass eine gewisse Akademisierung in der frühkindlichen Betreuung notwendig ist. "Das bedeutet nicht, dass jeder Kollege einen Hochschulabschluss erwerben muss. Aber die Anforderungen an uns Erzieher sind gestiegen."

Neuer Studiengang in Stendal startet ab Herbst

Hertha Schnurrer weiß um den Fachkräftemangel in der Kinderbetreuung. Damit auch junge Frauen und Männer mit höherer Schulbildung, aber wenig praktischer Erfahrung in dieses Berufsfeld einsteigen, bietet die Hochschule einen neuen Pädagogikstudiengang an. Ab dem Wintersemester 2014/2015 gibt es in Stendal dann den Bachelor-Studiengang "Kindheitspädagogik - Praxis, Leitung, Forschung". "Der Studiengang ist einmalig in Sachsen-Anhalt", sagt Hertha Schnurrer. Bewerber könnten ihn gleich nach dem Abitur studieren und später auch leitende Tätigkeiten in Kitas übernehmen.

Weitere Informationen zum Studium unter: www.hs-magdeburg.de/studium oder telefonisch bei Hertha Schnurrer unter 03931/21874801