Magdeburg l Der Anstoß für die "Willkommens-Strategie" kommt von der CDU-Landtagsfraktion. Die Union will junge Familien ins Land holen. Auch, um den zunehmenden Fachkräftebedarf zu decken.

Der Fraktionsvorsitzende André Schröder sagte am Mittwoch, dass dafür Anreize geschaffen werden sollen. Nach den Vorstellungen der Union beteiligt sich das Land mit 1000 Euro an den Umzugskosten. Und: Zuzugswillige Familien sollen ein zinsloses Darlehen von bis zu 15.000 Euro für die Haushaltseinrichtung bekommen. Voraussetzung ist, dass der Antragsteller nicht älter als 35 Jahre ist und einen Arbeitsvertrag in der Tasche hat. Ein Trauschein ist nicht erforderlich.

Federführend ist das Sozialministerium. Dort entstand auch die weiterführende Idee, in Sachsen-Anhalt ein "Welcome-Center für Familien" zu schaffen. Eine Art Lotsenstelle also für Familien, die sich im Land ansiedeln oder zurückkehren wollen. Dort sollen die Familien etwa in Fragen der Kinderbetreuung, der medizinischen Versorgung oder der Schulwahl beraten werden. Das Projekt, das nach den Plänen der CDU bei der Landes-Investitionsbank angesiedelt wird, ist zunächst auf maximal drei Jahre begrenzt. Ein Sprecher des Sozialministeriums sagte gestern: "Dann wird überprüft, ob das Angebot angenommen wurde."

Die lange Zeit unklare Finanzierung des Vorhabens ist inzwischen geregelt. In den Jahren 2015 und 2016 sollen insgesamt 500000 Euro in das Welcome-Projekt gesteckt werden. Das Geld kommt aus dem vom Bund verwalteten sogenannten Mauerfonds. Dieser speist sich aus der Verwertung ehemaliger Mauer- und Grenzgrundstücke.

Der Koalitionspartner der CDU, die SPD, bewertet das Projekt positiv. Fraktionschefin Katrin Budde sagte: "Eine Anlaufstelle für Familien, die nach Sachsen-Anhalt kommen wollen, ist eine gute Idee. Unterstützung für Familien ist eine gute Art der Willkommenskultur." Für die SPD sei wichtig, dass sich das Angebot an alle Familien richte: "Ob klassische, Patchwork- oder Regenbogenfamilien - uns sind alle willkommen."

In Sachsen-Anhalt klafft nach wie vor eine Lücke zwischen Fort- und Zuzügen. Diese wird aber zunehmend kleiner. Dem Statistischen Landesamt zufolge gab es im Jahr 2012 44.863 Fortzüge. Diesen standen 40.608 Zuzüge gegenüber. Das Wanderungsdefizit lag also bei 4255 Menschen. Im vorigen Jahr verließen bis Ende November (das sind die aktuellsten verfügbaren Zahlen) exakt 42.002 Menschen das Land. Zugleich zogen 41.438 Menschen nach Sachsen-Anhalt.