Kollege Hund

Wissenschaftlichen Studien zufolge soll sich die Anwesenheit vertrauter Hunde positiv auf die Arbeitsleistung von Menschen auswirken.

Mit dem heutigen Aktionstag des deutschen Tierschutzbundes "Kollege Hund" sollen Hundebesitzer darum die Möglichkeit erhalten, ihre Hunde für einen Tag mit zur Arbeit zu bringen.

Die Bedürfnisse des Tieres müssten auf der Arbeit erfüllt werden, auch solle der Hund eine Rückzugsmöglichkeit und einen Platz mit seiner Decke, seinem Napf und seinem Spielzeug haben. Die Pausen sollten dem Hund gewidmet werden.

Alle teilnehmenden Unternehmen erhalten eine Urkunde des deutschen Tierschutzbundes, die sie zum tierfreundlichen Betrieb auszeichnen soll.

Zerbst l Harry Meier ist der Chef der Spedition Meier. Seinen Besuchern und Kunden zeigt er nur allzu gern seine "Mitarbeiter des Monats"-Tafel. Nicht selten sorgt das nämlich für ein Schmunzeln bei den Betrachtern: Unter all den menschlichen blickt auch ein tierisches Gesicht von der Wand. Es ist das von Dackel-Dame Eika.

Tierische Mitarbeiterin will niemals frei haben

Wenn ihr Frauchen Helga Meier einmal einen Tag frei hat, ist das für die Dackel-Dame nur schwer zu ertragen: "Sie will trotzdem auf die Arbeit", berichtet Helga Meier. Dass die Hündin das will, deutet sie unmißverständlich morgens beim Gassigehen an. "Sie biegt dann automatisch in Richtung Firma ab. Das bekomme ich aus ihr wohl auch nicht mehr raus", sagt die Spediteurin und lacht.

Wer Eika kennenlernt, mag zu dem Schluss kommen, dass mit der Hündin nicht zu spaßen ist. "Sie kläfft erst einmal jeden an, den sie nicht kennt", muss selbst Frauchen zugeben. Auch vor größeren Hunden hat die Dackel-Dame wenig Respekt und bellt erst einmal alle s und jeden an. Das habe ihr schon einmal eine Bissverletzung eingebracht, verrät ihre Besitzerin.

Hat sich die Dackel-Dame aber erst einmal an Fremde gewöhnt, sorgt sie für allerhand Unterhaltung bei den Anwesenden. Wenn in der Firma etwas besprochen wird, sitzt Eika nämlich grundsätzlich mit am Tisch.

Eine Hündin, die von sich aus Männchen macht

Wird es ihr zu langweilig, stellt sich die Hündin auf ihre Hinterbeine und verharrt in dieser Position. "Dann schauen sie alle an, die Aufmerksamkeit gefällt ihr", deutet Helga Meier das Verhalten. Warum die Hündin das macht, weiß das Frauchen selbst nicht. "Antrainiert haben wir ihr das jedenfalls nicht, da ist sie von selber drauf gekommen."

Auch die Hundeschule hat Eika als junge Hündin einmal eine Weile besucht. Mit ihrem Verhalten ist Helga Meier aber soweit zufrieden. "Schließlich wollen wir keine abgerichtete Hündin."

Als Welpe kam Eika zur Familie Meier und ist nun schon seit 12 Jahren an der Seite von ihrem Frauchen. In Hundejahren, die mal 12 mit Menschenjahren gerechnet werden, wäre sie also schon stolze 84 Jahre alt. "Sie ist noch recht fit, aber die Spaziergänge werden langsam kürzer", sagt das Frauchen. Am liebsten schlafe die Hündin daher auf ihrem "Arbeitsplatz". Gewöhnt ist sie an einen immer gleichen Tagesablauf. Dazu gehören drei Gassigänge und regelmäßige Mahlzeiten für das Tier.

Chef war sofort mit dem Tier einverstanden

Mit zur Firma kam Eika von Anfang an. Den Chef musste Helga Meier gar nicht lange von der Hündin überzeugen, denn der ist zufälligerweise ihr Ehemann. Mit den rund 50 Mitarbeitern der Firma komme die Hündin im großen und ganzen gut aus. "Einige kläfft sie an, andere nicht", sagt Frauchen.

Helga Meier schätzt, dass sich viele Hundefans vor der Anschaffung eines Tieres zu wenig Gedanken um seine Bedürfnisse machen: "So ein Tier macht einen schon von sich abhängig, man übernimmt Verantwortung." Weil sie ihre Hündin jeden Tag mit auf die Arbeit nimmt, muss sie sich um ihre Betreuung Gedanken machen. Wenn es einmal in den Urlaub geht, passt die Tochter auf das Tier auf.

Zum heutigen Aktionstag "Kollege Hund" hat sich die Spediteurin auf der Internetseite des Tierschutzbundes angemeldet um zu zeigen, dass ihre Firma ein tierfreundlicher Betrieb ist: "Wenn unsere Mitarbeiter aus dem Büro ihre Hunde mit zur Arbeit bringen wollten, wäre das bei uns kein Problem."