Magdeburg l Bioerdgas - auch Biomethan genannt - ist eine grundsätzlich saubere Sache. Es wird im Gegensatz zum fossilen Erdgas aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Gras oder Getreide erzeugt, hat aber die gleichen Eigenschaften wie Erdgas. Es kann komplett zur Verstromung, zur Beheizung oder als Fahrzeug-Kraftstoff eingesetzt werden. Im Gegensatz zur Windenergie ist es speicherbar und damit in Kraftwerken grundlastfähig einzusetzen.

Eigentlich also der ideale Energieträger für die Zukunft. Wenn nicht der höhere Erzeugerpreis im Vergleich zu Erdgas wäre und die Flächenbelegung durch den Anbau der Biomasse. Den höheren Erzeugerpreis hat bislang die EEG-Umlage ausgeglichen. Versuche, den Maisanbau zu begrenzen, waren nur zum Teil erfolgreich. 131 Bioerdgas-Raffinerien gibt es nach Angaben des Bundesverbandes Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) derzeit bundesweit. Überwiegend gebaut in den vergangenen fünf Jahren. 27 Anlagen befinden sich derzeit im Bau, weitere 33 in der Planung.

Hier setzt ein wichtiger Kritikpunkt der Branche an der EEG-Reform an: Die Gesetzgebung verletze das Prinzip der Verlässlichkeit. Nach Angaben des Anlagenbauers Getec dauert der Bau einer Bioerdgas-Raffinerie von der Idee bis zur Inbetriebnahme etwa drei Jahre. Die Lieferverträge mit Blockheizkraftwerken werden in der Regel kurz vor der Inbetriebnahme geschlossen. "Wenn jetzt plötzlich der Verkaufspreis per Gesetz grundlegend geändert wird, entzieht man dem Anlagenbetreiber die Existenzgrundlage", kritisiert Reinhardt Schultz, Chef vom Branchenverband "Biogas +". Der Verband hat ausgerechnet, dass ein Blockheizkraftwerksbetreiber einer Raffinerie nach der EEG-Reform nur noch weniger als 5 Cent je Kilowattstunde zahlen kann. Bislang waren es etwa 7,5 Cent. Dieser scheinbar geringe Preisunterschied reicht aus, die Branche "zwischen Wut und Verzweiflung" schwanken zu lassen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung in dieser Woche schrieb.

Sechs Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Biomasse pro Jahr ab 2020 hat die Bundesregierung 2007 in ihren Eckpunkten des integrierten Energie- und Klimaprogramms (IEKP) bei ihrer Klausurtagung in Meseberg als Zielvorgabe ausgegeben. 665 Millionen Kubikmeter Bioerdgas waren es nach BDEW-Angaben im Jahr 2013. Kaum vorstellbar, dass nach der EEG-Reform die Zielvorgaben von 2007 jemals erfüllt werden.