Nienhagen (dl/cbe) l Mehrere hundert Menschen haben am Sonnabend im Schwanebecker Ortsteil Nienhagen (Harz-Kreis) friedlich gegen ein Skinhead-Konzert demonstriert. Neben lokalen Aktionsbündnissen hatten auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Kirche dazu aufgerufen, friedlich und kreativ gegen das Rechtsrock-Konzert und dessen Teilnehmer Flagge zu zeigen.

Prominenter Vertreter unter den Gegnern des Skinhead-Aufmarschs war Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU). "Ich habe mich gefreut, dass sich so viele Menschen gegen die rechtsextreme Ideologie engagieren. Ich hätte mich aber auch gefreut, wenn dieses Konzert verboten geblieben wäre", sagte Stahlknecht. Mit diesen Worten reagierte Stahlknecht auf das juristische Tauziehen vor dem Konzert. Der Veranstalter, ein Mann aus Nienhagen, konnte sich sowohl vor dem Verwaltungsgericht als auch vor dem Oberverwaltungsgericht gegen ein von den Behörden erlassenes Verbot durchsetzen.

Ein Umstand, der während der Protestaktion von zahlreichen Rednern scharf kritisiert wurde. Rainer Neugebauer vom Bürgerbündnis Halberstadt nannte es kurios, dass die Richter eine kommerzielle Veranstaltung in eine politische Versammlung umetikettiert hätten. Zumal die Richter in ihrer Begründung gerade auf die Zurschaustellung rechtsextremer Gesinnung bei solchen Konzerten hingewiesen hätten.

Die Polizei registrierte keine nennenswerten Zwischenfälle. Gerüchte von Übergriffen auf Journalisten oder Polizeibeamte konnte ein Sprecher nicht bestätigen. Dazu lägen keinerlei Anzeigen vor. Nach Angaben eines Sprechers waren rund 1300 Besucher zum Skinhead-Konzert gekommen. Die Zahl der Protestierenden gab er mit zeitweilig bis zu 250 an. Hans-Christian Anders von der Initiative "Nienhagen rechtsrockfrei" sprach von bis zu 400 Demonstranten. Um das Konzert und die Demonstrationen dagegen abzusichern, war die Polizei mit rund 600 Beamten aus Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen vor Ort.