Kampf gegen Keime

Historie
1928 entdeckte der Mediziner Alexander Fleming auf einem Nährboden mit Staphylokokken, dass die Bakterien nahe eines Schimmelpilzes nicht gediehen. Aus dem Pilz - Penicillium notatum - wurde das erste Antibiotikum isoliert: das Penizillin.

Verwendung
Antibiotika werden bei Menschen und Tieren gegen Infektionskrankheiten angewendet, die durch Bakterien verursacht werden. Es handelt sich um Stoffe, die Bakterien abtöten oder deren Wachstum hemmen. Antibiotika sind verschreibungspflichtig.

Verbrauch
Nach Angaben des GERMAP-Reports der Paul-Ehrlich-Gesellschaft kamen 2011 in Deutschland pro Jahr 500 bis 600 Tonnen Antibiotika bei Menschen zum Einsatz. 85 Prozent davon fielen im ambulanten Bereich an, die Zahl der Verordnungen belief sich auf 38 Millionen. Im EU-Vergleich liegt Deutschland beim Verbrauch im unteren Mittelfeld. In der deutschen Tierhaltung lag der Antibiotika-Verbrauch 2011 bei 1826 Tonnen.

Im EU-Vergleich ist Deutschland von der absoluten Menge her Spitzenreiter vor Spanien (1781) und Italien (1671). Beim Arznei-Verbrauch in Relation zur produzierten Fleischmenge belegt Deutschland Platz 4 hinter Spitzenreiter Zypern, Italien und Spanien.

Resistenzen
Resistenz bedeutet, dass ein Krankheitserreger gegenüber einem Antibiotikum unempfindlich ist. Neben natürlichen Resistenzen gibt es jene, die der Wissenschaft Sorgen bereiten, sie entstehen während der Behandlung mit Antibiotika. Die Gefahr einer Resistenzbildung ist besonders groß, wenn das Antibiotikum häufig oder nicht richtig eingenommen wird. Etwa wenn die Dosierung zu niedrig ist, unregelmäßig oder zu kurz verabreicht wird. In diesen Fällen können die unempfindlicheren Bakterien überleben und sich weiter vermehren, sie werden regelrecht "herangezüchtet". (ms)

Magdeburg l Ab dem 1. Juli müssen die Landwirte in Deutschland den Behörden melden, wie viel Antibiotika sie bei ihren Tieren anwenden. "Ziel der Datenerfassung ist die Senkung des Antibiotikaeinsatzes auf ein vertretbares Minimum", erklärt Detlef Thiel, Sprecher des Umweltministeriums in Sachsen-Anhalt.

Hierzulande gibt es rund 750 Schweine-, Rinder- und Geflügelhalter, die künftig penibel dokumentieren müssen, welches Antibiotikum über welchen Zeitraum an die Tiere verabreicht wird. Erfasst wird außerdem, welche Tierart behandelt wird und wie viele Tiere der Landwirt von dieser Art insgesamt hält.

Resistente Erreger bedrohen den Menschen

Durch die Erfassung wollen die Behörden ermitteln, welche Betriebe zu viel Arzneimittel verfüttern. Wer mehr als 50 Prozent über dem Durchschnittsverbrauch liegt, muss sich künftig beim Bestands-tierarzt melden und sich über Maßnahmen zur Senkung informieren. Wer sogar mehr als 75 Prozent der üblichen Menge einsetzt, muss einen Plan zur Senkung vorlegen und diesen unter Aufsicht des Veterinäramtes umsetzen. Bei Verstößen gegen die Vorschriften droht den Landwirten schlimmstenfalls ein zeitlich befristetes Tierhalteverbot.

Die Länder machen mit der Senkung des Arzneiverbrauchs ernst, weil Antibiotika zunehmend an Wirkung verlieren: Je häufiger sie gegen die Keime bei Tieren eingesetzt werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Erreger Resistenzen bilden und nicht mehr medizinisch bekämpft werden können. Die sogenannten multiresistenten Keime entwickeln sich dann nicht etwa nur zu einer Bedrohung für Tiere, sondern stellen auch für Menschen eine Gefahr dar.

Landwirte setzen 1800 Tonnen ein

Verbraucher können sich entweder durch direkten Kontakt oder durch das Verzehren von infiziertem, rohen Fleisch mit Keimen anstecken und erkranken. Bei ihnen helfen die Antibiotika dann ebensowenig wie bei den Nutztieren.

Im EU-Vergleich kamen in Deutschland in den vergangenen Jahren besonders viele Antibiotika im Stall zum Einsatz. Nach Angaben des GERMAP-Reports der Paul-Ehrlich-Gesellschaft wurden 2011 bundesweit 1826 Tonnen Antibiotika verbraucht. Bei der Behandlung von Menschen fiel der Antbiotikaverbrauch mit bis zu 600 Tonnen pro Jahr geringer aus, liegt im EU-Vergleich im Durchschnitt.

Für die Humanmedizin gilt jedoch Gleiches wie für die Tiermedizin: Werden Antibiotika zu häufig oder falsch eingesetzt, droht die Bildung gefährlicher, resistenter Keime.