Stendal l Eine Zeit lang ohne Wasser auszukommen, wäre für Maik Donner kein Problem. Früher, als er obdachlos war, gehörte das zum Alltag. Seit einigen Jahren wohnt er nun aber in Stendal-Süd, einst Vorzeigeobjekt des sozialistischen Wohnungsbaues, heute Problemviertel.

Viele Blöcke wurden schon abgerissen, die Einkaufsmärkte sind verschwunden, Schule und Kindergarten auch. Mehrfach wurden die noch stehenden Blöcke verkauft. Jetzt gehören sie der Raks AG, ansässig in Frankfurt/Main. Das Unternehmen kassiert zwar pünktlich die Mieten, bezahlt seit Monaten aber nicht den Strom und das Wasser, das sie von den Stadtwerken Stendal beziehen.

"Für Energie, Wasser und Abwasser betragen die Rückstände allein bei uns knapp 150000 Euro", sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Bräuer auf Nachfrage. Dass gestern die Trinkwasserversorgung unterbrochen wurde, "ist zwar bedauerlich für die Mieter, aber wir als Stadtwerke haben keine andere Möglichkeit gesehen". Betroffen sind 215 Bewohner.

Vermieter Raks AG lässt Ultimatum verstreichen

Die gesetzte Frist, bis zum 30.Juni die offenen Rechnungen zu begleichen, habe die Raks AG verstreichen lassen, sagte Bräuer. "Das Trinkwasser bleibt unterbrochen, bis sich etwas tut", erklärte der Stadtwerke-Geschäftsführer.

Nachdem schon Anfang April Warmwasser und Fernwärme und dann Mitte Mai der Allgemeinstrom, der unter anderem für das Treppenlicht sorgt und für die Klingeln benötigt wird, abgestellt wurden, gibt es nun in den Wohnungen auch kein Trinkwasser mehr. Die Stadtwerke haben an vier Stellen, direkt an den Blöcken, Notentnahmen installiert. Die Kosten tragen die Stadtwerke, "aber wir rechnen damit, dass die Entnahme geringer ist als sonst", sagte Sandra Slusarek, Sprecherin der Hansestadt Stendal. Dixi-Toiletten würden nicht aufgestellt, ergänzte ihr Kollege Klaus Ortmann. Denn in den Wohnungen gebe es Toiletten, zum Spülen könne Wasser von den Entnahmestationen geholt werden.

Einige Mieter sind bereits ausgezogen

Für die Mieter kommt das nicht überraschend, seit Wochen ist das Ultimatum der Stadtwerke an die Raks AG bekannt. Maik Donner hat darum am Montag einen großen Wasservorrat angelegt: 90 Liter in der Badewanne, 50 Liter in Kanistern und 30 Liter in Eimern. Schön findet er die Situation nicht, aber wegziehen möchte er auch nicht. Andere haben sich mittlerweile zu diesem Schritt entschlossen, auch gestern standen wieder Umzugswagen vor den Wohnblöcken. Gab es im Mai noch etwa 250 Mieter, so sprach Sandra Slusarek gestern von "etwa 215 Einwohnern".

Für die, die das Wohngebiet verlassen möchten, gibt es Hilfe. Ende Mai fand ein Sprechtag statt, mit Großvermietern aus Stendal, Jobcenter und Sozialpsychiatrischem Dienst. Für heute ist ein zweiter Sprechtag geplant.