Stendal l Seit Mitte April dieses Jahres ist Ramazan Yagan aus Düsseldorf als Prokurist bei der Raks AG beschäftigt. Knapp drei Monate also. Er habe versucht, "in der kurzen Zeit herauszufinden, wie die Situation ist", sagt er im Gespräch mit der Volksstimme und meint damit auch, was bei den Vorbesitzern schiefgelaufen ist. Denn - das versichert er mehrfach - er und die Raks AG seien bemüht, die derzeitige Situation für die Mieter in Stendal-Süd zu verbessern.

Die besagte Situation: Im April wurden Warmwasser und Fernwärme abgestellt, im Mai der Allgemeinstrom, am Dienstag das Trinkwasser in den Wohnungen. Derzeit müssen die gut 200 betroffenen Mieter vier Notentnahmestellen nutzen, Wasserhähne, die auf Höhe der Kellerfenster angebracht wurden. Die Stadtwerke Stendal haben so reagiert, weil die Außenstände der Raks AG mittlerweile bei knapp 150000 Euro liegen, und am Montag die Frist verstrichen war, bis zu der der Wohnungsvermieter hätte zahlen müssen.

Am Mittwoch war Ramazan Yagan in Stendal, Anfang kommender Woche will er wieder in die Altmark kommen. Um die Probleme zu lösen. Er stellt sich die Lösung als "Paket" vor: 1. Das Jobcenter überweist für die von ihm betreuten Mieter die Mietzuschüsse auf ein Sonderkonto, von dem die Stadtwerke Stendal die laufenden Kosten abbuchen können. Auch andere Mieter könnten dieses Konto nutzen für direkte Zahlungen an die Stadtwerke. 2. Die Raks AG zahlt zusätzlich einen Teilbetrag der offenen Summe und unterzeichnet 3. für weitere Beträge Zahlungsverpflichtungen.

Zumindest Medien gegenüber macht der Raks-Prokurist diesen Vorschlag. Im Jobcenter selbst habe er sich noch nicht gemeldet oder einen Antrag gestellt, sagte dessen Sprecherin Katrin Schmalenberger-Laukert gestern auf Nachfrage. Und auch die Stadtwerke haben seit Tagen nichts von dem Vermieter gehört, erklärte Heike Weidemann, als Prokuristin Mitglied der Stadtwerke-Geschäftsführung.

Die Ursache für die hohen Außenstände bringt Ramazan Yagan auf einen kurzen Nenner: "Weniger Einnahmen als Ausgaben." So gebe es nach jetziger Schätzung über Jahre angehäufte Mietschulden in Höhe von zirka 200000 Euro, "eher noch mehr". In 63 Fällen würden derzeit keine Mieten eingehen, sagt er und nennt als Spitzenreiter einen Mieter mit rund 14000 Euro Mietschulden. Die anderen Schuldner würden mit durchschnittlich etwa 3000 Euro in der Kreide stehen. "Dennoch wollen wir ihnen nicht kündigen. Wir versuchen für unsere Mieter, den Spagat zu schaffen", sagt Yagan. Die Raks AG wolle Lösungen finden "für die Mieter, die bleiben wollen", versichert Yagan einmal mehr. Die Mieter hören die Worte wohl - nicht zum ersten Mal.

Anfang Juni zum Beispiel ließ die Raks AG ein Schreiben verteilen, in dem es hieß: "Das Kaltwasser wird nicht abgeklemmt." Und im nächsten Satz: "Die Versorgung mit Warmwasser wird spätestens am 20.06.2014 wiederhergestellt sein." Die Mieter lasen die Worte wohl... und warten weiterhin auf Warm- und Trinkwasser in ihren Wohnungen.