Magdeburg l Der ABV aus DDR-Zeiten kehrt zurück - nur heißt der Abschnittsbevollmächtigte jetzt anders. Bis zum Jahresende sollen dem Innenministerium zufolge im Land insgesamt 305 sogenannte Regionalbereichsbeamte (RBB) auf der Straße unterwegs sein, davon gut die Hälfte im nördlichen Sachsen-Anhalt. Die ersten 100 RBB sind seit dieser Woche im Einsatz. Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) sagte: "Wir schlagen ein neues Kapitel polizeilicher Arbeit auf."

Die RBB sind vor Ort Ansprechpartner für alle polizeilichen Belange. Zu ihren Aufgaben gehört auch, Kontakte zu Kommunalverwaltungen, Schulen, Vereinen oder Unternehmen zu pflegen. Die RBB werden größtenteils mit Dienstfahrrädern ausgestattet. "Damit sollen sie etwa durch Gewerbe- und Wohngebiete radeln", sagte Innenminister Stahlknecht der Volksstimme. "Polizei wird wieder fühlbar."

Wie viele Kontaktbeamte vor Ort im Einsatz sind, hängt von der Einwohnerzahl ab. Grundsätzlich versehen in jeder Einheits- und Verbandsgemeinde unter 30000 Einwohnern zwei RBB ihren Dienst. Ab 30000 Einwohnern und pro weitere 10000 Einwohner wird je ein zusätzlicher Regionalbereichsbeamter auf Streife geschickt.

Im Gegenzug werden die gut 70 Polizeistationen und ein Teil der Revierkommissariate geschlossen. Viele Stationen sind wegen des anhaltenden Stellenabbaus bei der Polizei ohnehin schon jetzt nicht mehr besetzt. Bis 2016 soll die Zahl der Polizeivollzugsbeamten weiter reduziert werden - von derzeit noch gut 6300 auf 6000.

Polizeiliche Soforteinsätze zählen indes nicht zu den Aufgaben der RBB. Dafür will der Innenminister "ab Anfang 2015" schrittweise neuartige Einsatzkreise einführen. Ziel ist es, dass innerhalb von 20 Minuten an jedem beliebigen Einsatzort im Land ein Funkstreifenwagen eintreffen kann. Insgesamt sind in Sachsen-Anhalt 56 dieser "Kornkreise" (24 Kilometer im Durchmesser) geplant, in denen 115 Funkwagen quasi als "rollende Büros" rund um die Uhr auf Patrouille sind. Ihre Aufgabe ist es, alle Soforteinsätze abzusichern und Präsenz in der Fläche zu zeigen.

Stahlknecht sagte, somit werde "trotz aller Schwierigkeiten" der Zeitplan für die geplante Polizeireform eingehalten.