So funktioniert das Zuzahlungs-System

Zuzahlung: Die Krankenkassen zahlen für jedes Präparat einen festgelegten Betrag (Festbetrag). Liegt der Preis eines Medikaments mindestens 30 Prozent unter diesem Festbetrag, dann ist das Arzneimittel zuzahlungsbefreit. Übersteigt der Preis des Medikaments hingegen 70 Prozent des Festbetrags, muss der Patient zehn Prozent des Arzneimittelpreises selbst bezahlen - mindestens fünf Euro, maximal zehn Euro.

Aufzahlung: Ist ein Arzneimittel teurer als der entsprechende Festbetrag, muss der Versicherte zusätzlich auch noch die Differenz zwischen Festbetrag und Arzneimittelpreis aus der eigenen Tasche bezahlen.

Teilweise kann eine Aufzahlung bisher noch vermieden werden - weil die Kassen zum Teil Rabattverträge mit Herstellern haben, die einen Mehrkostenverzicht für die Versicherten beinhalten. Ist das nicht der Fall, müssen die Patienten die Aufzahlung leisten.

Für einige Patienten wird das richtig teuer. Ein Beispiel: Der Festbetrag für ein Medikament beträgt 50 Euro. Der Preis für das verschriebene Präparat liegt aber bei 100 Euro. Das heißt, der Patient muss eine Zuzahlung von zehn Euro (zehn Prozent) und die Differenz von 50 Euro leisten. Somit zahlt die Krankenkasse 40 Euro, der Patient 60 Euro.

Magdeburg l Tausende Patienten erleben in diesen Tagen in der Apotheke eine böse Überraschung. Viele Medikamente, die bisher von den Krankenkassen vollständig erstattet wurden, unterliegen nun einer Zuzahlung.

Seit dem 1. Juli sind etwa 1800 Präparate nicht mehr zuzahlungsbefreit. Die Kassen haben die sogenannten Festbeträge einiger Medikamente gesenkt (siehe Infokasten), sie wollen hunderte Millionen Euro einsparen. Besonders betroffen sind Patienten, die wegen Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder Magengeschwüren in Behandlung sind.

Ein Beispiel: Das Blutdruckmittel Votum (20 mg). Bisher lag der Festbetrag, also der Satz, den die Gesetzlichen Krankenkassen maximal für ein Arzneimittel übernehmen, bei 93,83 Euro. Die Patienten mussten nur zehn Prozent zuzahlen (9,38 Euro).

Nun haben die Kassen den Festbetrag für das Medikament auf 29,60 Euro gesenkt. Der Hersteller fordert aber weiter 93,83 Euro - also müssen die Patienten die Differenz begleichen und in diesem Fall plötzlich mehr als 60 Euro aus der eigenen Tasche bezahlen.

Nach Berechnungen des Deutschen Apothekerverbands gibt es von insgesamt 33000 Arzneimitteln nur noch zehn Prozent ohne Aufpreis. Schon im Jahr 2013 erreichten die Zuzahlungen von Kassenpatienten mit zwei Milliarden Euro einen neuen Höchststand. Patienten zahlen durchschnittlich 2,60 Euro pro Arzneimittelpackung dazu.

Der Branchenverband Pro Generika kritisiert, den Patienten würden die Mehrkosten aufs Auge gedrückt. Auch Jens-Andreas Münch, Präsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt, sagt: "Das ist ein Sparinstrument der Krankenkassen."

Diese weisen die Kritik jedoch zurück. "Durch die Festbetragsregelung soll vielmehr ein Preiswettbewerb unter den Herstellern ausgelöst werden", sagt AOK-Sprecher Andreas Arnsfeld. Die Kassen setzen darauf, dass die Hersteller ebenfalls ihre Preise senken. Viele Unternehmen sehen dafür jedoch keinen Spielraum.

Der Spitzenverband der Kassen empfiehlt Patienten, in der Apotheke gezielt nach zuzahlungsbefreiten Medikamenten zu fragen und auf andere Produkte umzusteigen. "Auch für diese Beratung werden die Apotheker von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt", sagte ein Sprecher der Volksstimme.

Laut Apothekerkammer ist das aber nicht in jedem Fall möglich. Andreas Münch: "Selbst wenn es geht, bedeutet ein Medikamentenwechsel immer einen Mehraufwand. Der Patient muss das nicht nur mit seinem Arzt abstimmen, sondern sich auch erstmal an das neue Präperat gewöhnen."