Magdeburg l "... und nach der Arbeit trinken wir das gute Sudenburger Bier". Dieser Werbeslogan des 1882 von Dümmer und Doring gegründeten Sudenburger Brauhauses ist vielen Magdeburgern im Gedächtnis geblieben. Ebenso die Eingliederung der Brauerei ins Getränkekombinat, die spätere Schließung und damit das Verschwinden dieser lokalen Marke aus dem Sortiment.

Seit sechs Wochen steht das Sudenburger Bier nun wieder in den Regalen - als Helles, Bock oder Pils in 0,33er-Maurerflaschen mit Bügel.

Doch wo Sudenburg drauf steht, ist (noch) kein Sudenburg drin. Gebraut und abgefüllt wird das Bier nämlich im bayrischen Naila, wenn auch mit Magdeburger BKM-Technik und nach traditioneller Rezeptur. Letztere hat Ulf Steinforth mit ehemaligen Braumeistern und Mitarbeitern erarbeitet.

Alte Zuckerfabrik für Brauhaus ins Auge gefasst


Die außergewöhnliche Flaschenform bedingt das Abfüllen in speziellen Maschinen. Naila hat solch eine Maschine. Dennoch will Ulf Steinforth das Bier zurück in die Landeshauptstadt holen.

Im Mai gründete er hierfür das Magdeburger Getränkekombinat mit Sitz in der Brenneckestraße. Derzeit ist er auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück in Sudenburg. Bestenfalls auf dem Gelände der alten Zuckerfabrik im Bereich von Halberstädter, Braunlager und Brenneckestraße. Gut 2000 Quadratmeter davon gehören ihm bereits; etwa 3000 müsste er hinzukaufen, um dort ein Brauhaus errichten zu können. Allerdings sei man mit dem Standort noch in der Planungsphase. "Wir führen zwar Gespräche - fest steht jedoch noch nichts", erklärt er. Dennoch sei er zuversichtlich. Wenn alles klappt, rechne er damit, in zwei Jahren das Bier in Magdeburg brauen zu können.

Bis zu 2 Millionen Euro plant er zu investieren. 20 Arbeitsplätze sollen allein in der Brauerei entstehen. Entsprechend der Nachfrage würden zwischen 5000 bis 10 000 Hektoliter hergestellt werden - eine verhältnismäßig kleine Menge: "Das Bier soll es vorerst nur in Magdeburg geben. Keine limitierte Edition, aber es soll trotzdem etwas Besonderes werden", erklärt er. Anfragen aus Dresden und Chemnitz habe er bereits abgelehnt.

"Wir setzen auf Regionalität." Dazu gehöre eben auch, das Bier nicht in Bayern brauen zu lassen.

Weitere Brauereien in Greiz und Gardelegen


Stattdessen habe er zunächst zwei weitere Brauereien gekauft - eine Brauerei in Greiz und die Brauerei Garley in Gardelegen.

Für sein Vorhaben hatte er eigentlich auch die Colbitzer Brauerei ins Auge gefasst, doch bei der Gläubigerversammlung bekam, obwohl Steinforth sich aufgrund aller Vorgespräche und mündlichen Zusagen in Sicherheit wiegte, überraschenderweise ein Braunschweiger Unternehmen den Zuschlag. Somit weicht er nun auf Greiz und Gardelegen aus. "Wir wollen zum einen die Technik der dortigen Brauereien nutzen, zum anderen aber auch schauen, ob man die Standorte nicht wieder aktivieren kann." Hierfür hat er mit Christof Hawerkamp einen erfahrenen Mann an seiner Seite. Hawerkamp, der als Manager beim FC St. Pauli in Hamburg tätig war, verhalf mit ausgeklügelten Marketingideen bereits dem Astra zum Kult-Status. Ähnliches erhoffe man sich auch für das Sudenburger Bier.

Bier mit Kult-Status Werbeeffekt für die Stadt


Es solle Werbebotschafter für die Stadt, identitätsstiftend für die Magdeburger und für alle durstlöschend sein. "Wir wissen, dass die Bierbranche ein Haifischbecken ist. Um am Markt bestehen zu können, brauchst du eine geile Idee und Leute, die dich unterstützen. Ich denke, wir haben beides", so Ulf Steinforth.

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