Nachterstedt (dpa) l Heute vor fünf Jahren, in der Nacht des 18. Juli 2009, rutschten in Nachterstedt (Stadt Seeland, Salzlandkreis) zwei Wohnhäuser zusammen mit rund 4,5 Millionen Kubikmetern Erdreich in den Concordia-See ab. Drei Menschen starben, 41 mussten ihre Häuser aufgeben. Die Leichen der drei in die Tiefe gerissenen Menschen im Alter von 48, 50 und 51 Jahren wurden bis heute nicht gefunden.

Fünf Jahre später sind nur die Hälfte der ehemaligen Siedlungsbewohner in Nachterstedt geblieben. Einige zogen zu ihren Kindern oder in Nachbargemeinden, weg vom Unglücksort. Viele wollen gar nicht öffentlich über das Geschehene reden, sagt Heidrun Meyer, Bürgermeisterin der Stadt Seeland, zu der Nachterstedt gehört. "Das wühlt alle so auf." Ohne das Unglück vor fünf Jahren würde hier vermutlich der Tourismus blühen.

Der geflutete See nährte Hoffnungen vom Baden, Wassersport, Ausflugsschifffahrt. Inzwischen aber wuchert das Unkraut dort, wo Parkplätze angelegt sind. Zufahrten mit neuen Straßenlaternen bleiben nahezu ungenutzt. Wegen des Unglücks ist auch jeglicher Wassersport auf dem See untersagt. Allein auf das Gutachten zur Ursache des Erdrutsches mussten die Menschen in Nachterstedt vier Jahre warten. Die Experten kamen schließlich im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis, dass sehr hoher Druck in grundwasserführenden Schichten unterhalb des Kohleflözes zum Abrutschen des Hanges führte.

Im Mai haben die Sanierungsarbeiten begonnen - dort, wo die Erdmassen abgerutscht sind, heißt es von der LMBV. Das aktuelle Konzept sieht vor, dass ein Teil des ehemaligen Tagebaus Nachterstedt 2017 freigegeben werden kann.