Cochstedt l 15 Meter über dem Boden ist der Airbus des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) auf Fliegenfang. Ganze Insektenschwärme bleiben so an den Tragflächen der Maschine kleben. Nach der Landung untersuchen Experten die Verunreinigungen auf den Flügeln und die Auswirkungen auf den Spritverbrauch.

Die erhobenen Daten können für die Entwicklung neuer Tragflächen wegweisend sein. "Die Flugzeuge der Zukunft sollen eine möglichst glatte Oberfläche haben. Sie sollen so mehr Treibstoff sparen", erläutert DLR-Forscher Dominic Gloß. An der Entwicklung dieser sogenannten Laminarflächen arbeiten weltweit Wissenschaftler. Sie sind deutlich glatter als heutige Tragflächen und weisen damit einen geringeren Strömungswiderstand auf. "Die Verschmutzung durch Insekten wäre dabei natürlich hinderlich", sagt Gloß.

Helfen, die Verschmutzung durch Insekten zu verringern, soll ein neuartiges Klappensystem. Die Flugversuche liefern erste Erkenntnisse für diese Entwicklung. Die Klappen, die während der Starts und Landungen ausfahren, sollen künftig so groß sein, dass sie die Insekten gerade abschirmen, ohne die Hochauftriebsleistung zu verringern. Im Flug in großer Höhe werden die Insektenhaftungen dann in den Laminarflügel hineingeklappt. Die Luft soll dann über eine saubere Flügelvorderkante strömen. Die DLR-Maschine in Cochstedt forscht während ihrer Überflüge noch für zwei weitere Projekte. So wird auch ein Unterstützungssystem getestet, das Piloten hilft, leise und spritsparende Anflüge durchzuführen. "Gegenwärtige Anflüge sind viel lauter als sie es technisch sein müssten", erklärt DLR-Forscher Sven Oppermann. Ein Computersystem hilft den Piloten, vorher berechnete Handlungsabläufe genau einzuhalten. Nach vorherigen Tests im Simulator wird das System erstmals im Flugversuch erprobt.

Zudem wird in Cochstedt ein System getestet, das für die Erprobung und Zulassung neuer Flugzeuge ein wichtiges Werkzeug sein kann. Bereits im Flug können so Erkenntnisse über die aerodynamischen Eigenschaften eines neuen Fliegers gezogen werden.

Nach einem Konzept der EU-Kommission sollen Flugzeuge bis 2050 ihre Kohlendioxidemissionen halbieren. Experten bezweifeln, dass diese Vorgabe eingehalten werden kann.