Aschersleben/Magdeburg l Die Magdeburger Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen elf Verdächtige eingestellt, die am 3. Mai bei einer Razzia gegen mutmaßliche Pädophile in Aschersleben (Salzlandkreis) festgenommen worden waren. Die Einstellung sei bereits am 10. Juli erfolgt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Magdeburg, Frank Baumgarten, am Freitag der Volksstimme. Es gebe keine ausreichenden Hinweise auf Straftaten in Aschersleben, erklärte er weiter. Sollten sich Hinweise auf Straftaten in anderen Bundesländern ergeben, seien die dortigen Staatsanwaltschaften zuständig.

Die Magdeburger Staatsanwaltschaft war dem Anfangsverdacht des sexuellen Missbrauchs sowie der Verbreitung, des Erwerbs und des Besitzes von Kinderpornografie nachgegangen.

An der Razzia Anfang Mai waren rund 150 Polizisten beteiligt gewesen. Im Visier hatten sie mutmaßliche Mitglieder eines bundesweit virtuell agierenden Pädophilenrings. Diese hatten sich in Aschersleben getroffen und dort zunächst einen Kinderflohmarkt besucht. Danach waren sie in den Zoo gegangen. Dem Hauptverdächtigen war vorgeworfen worden, seine fünfjährige Nichte als Lockvogel eingesetzt zu haben, um besser Kontakt zu späteren möglichen Opfern herstellen zu können.

Dem mutmaßlichen Kinderporno-Ring war die Polizei über einen Fernsehreporter auf die Spur gekommen. Er hatte der Polizei von möglichen Straftaten in Aschersleben berichtet.

Die elf Verdächtigen - eine Frau und zehn Männer im Alter zwischen 23 und 60 Jahren - waren nach dem Zoobesuch festgenommen und verhört worden. Auf Einladung eines Ascherslebeners waren sie aus Berlin, Dresden, Leipzig, aus Nordrhein-Westfalen und der Schweiz angereist. Drei von ihnen sind laut Polizei einschlägig wegen sexuellen Missbrauchs sowie des Besitzes und Verbreitens kinderpornografischer Schriften vorbestraft.

Nach Polizeiangaben waren die Verdächtigen Mitglieder des Chatrooms (virtueller Gesprächsraum) "Girl Lover", in dem Pädophile "Kontakte und Erfahrungen austauschen". Auch Ratschläge des Missbrauchs würden dort weitergegeben.

Die Polizei hatte die Verdächtigen bereits kurz nach ihrer Festnahme wieder auf freien Fuß gesetzt, da kein dringender Tatverdacht bestehe.