Magdeburg l Für die beiden Baggerfahrer Guido Müller und Denny Rahmel war es die erste Bombe, die sie bei Bauarbeiten entdeckt haben. "Ich habe erst abends realisiert, was wir für Glück gehabt haben", sagt Rahmel, 36, aus Kroppenstedt.

Gegen 8.45 Uhr bohrte er mit einem Hydraulikmeißel im Fundament des ehemaligen Plattenbaus, als plötzlich zwischen all dem Schutt ein rostiges Ding herausragte. "Ich habe nicht gleich gesehen, was das ist und habe mir das aus der Nähe angeschaut", erinnert sich Rahmel. Als er sah, dass es sich um eine Bombe handelt, informierte er die Kampfmittelbeseitigung. "Wir haben so ein Glück gehabt", sagt er. Mit seinem Bagger hat er links und rechts neben der Bombe gebohrt. Wie durch ein Wunder wurde der Fünf-Zentner-Blindgänger aber nicht beschädigt.

"An dieser Stelle ist der Fund ungewöhnlich", sagt Guido Müller, 43, auch aus Kroppenstedt. Er saß in einem anderen Bagger direkt hinter seinem Kollegen. "Wäre das Ding hochgegangen, hätte es uns beide erwischt." Sichtbar wurde der Sprengkörper mit 125 Kilogramm TNT-Gemisch erst nach und nach.

Aber nicht nur Müller und Rahmel haben Glück gehabt. Auch die Bauarbeiter, die Mitte der 60er-Jahre den Achtgeschosser am Breiten Weg hochgezogen haben. Weil das Haus auf schwierigem Gelände stand, wurde es mit einer Art Pfahlgründung gesichert. "Die haben damals auch direkt links und rechts neben die Bombe gebohrt", sagt Müller. Im Gespräch mit der Volksstimme sagten beide, dass der Tag nun als Glückstag in ihrem Kalender stehe.

Wäre die verrostete Bombe hochgegangen, hätte die Druckwelle in einem Bereich von mehr als hundert Metern Menschen töten können. Die rasierklingenscharfen, mehrere Hundert Grad heißen Eisenteile wären bis zu einem Kilometer weit geflogen.

Wahrscheinlich ist, dass das nicht der letzte Blindgänger ist, der im Stadtgebiet Magdeburg gefunden wird. Bomben mit einem Gesamtgewicht von 10 000 Tonnen sollen nach Schätzungen über Magdeburg abgeworfen worden sein. 15 Prozent waren Blindgänger.

Im Rathaus Magdeburg existiert daher auch ein Einsatzplan "Bombe". Jeder weiß, was bei einem Fund zu tun ist. Notunterkünfte werden eingerichtet, Servicetelefone geschaltet, enge Absprachen mit der Polizei getroffen. "Unser Fazit vom Einsatz am Donnerstag ist positiv", sagt Beigeordneter Holger Platz. Im Rathaus arbeite man auch beständig an der Verbesserung.

Manchmal müssen sich allerdings auch die Helfer selbst helfen. So lag das Bürgerbüro Mitte mit dem Callcenter für die Service-Hotline in der Sperrzone. "Wir mussten kurzfristig ins Bürgerbüro West", so Platz. Von dort die Service-Hotline zu schalten, erforderte technischen Aufwand. Am Ende funktionierte aber alles. Bei mehr als 300 Anrufen lag die Annahmequote bei 90 Prozent. "Ein sehr guter Wert", so Platz.

Auch die Polizei war zufrieden mit dem Einsatz. Sowohl die Evakuierung als auch die anschließende Rückkehr der mehr als 6000 Anwohner in die Sperrzone hätten reibungslos und zügig funktioniert. Mehr als 400 Polizisten und Mitarbeiter des Ordnungsamtes waren im Einsatz.

Doch während Magdeburg am Donnerstagabend mit den beiden Bombenentschärfern Torsten Kresse und André Römmer mitfieberte, ereigneten sich am Rande auch kuriose Dinge. So griff etwa die Bundespolizei am Donnerstagabend im Gleis-bereich des Bahnhofes Magdeburg-Sudenburg einen 21-jährigen Mann auf. Der erklärte den Beamten, dass er aufgrund der Streckensperrung durch die Bombenentschärfung zu Fuß in den Gleisen nach Braunschweig laufen wollte. In der Magdeburger Sperrzone fanden die Einsatzkräfte zwei mutmaßliche Drogendealer (beide 19 Jahre). Im Gepäck hatten sie mehrere Hundert Gramm Cannabis in szenetypischer Stückelung.

 

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