Magdeburg/Schönebeck l Im Gemeinschaftskeller eines Wohnhauses im Schönebecker Zentrum war eine Kauflandtüte versteckt. Der Inhalt: Vier Kilogramm Marihuana und ein Kilogramm Amphetamin. Die Angeklagten Jens L. und Danny G. sollen die Drogen am 7. April dort deponiert haben. Um sie weiter zu verkaufen. So lautet die Anklage der Magdeburger Staatsanwaltschaft.

Seit April sitzen die beiden Männer in Untersuchungshaft. Am gestrigen Freitag war Prozessauftakt im Landgericht. Die Verteidigung feilschte um jedes Gramm. Im trockenen Zustand habe es sich nur um rund 600 Gramm Amphetamin gehandelt. Der Staatsanwalt ließ nicht mit sich reden: "Verkauft wird das Amphetamin im feuchten Zustand, dieses Gewicht zählt und müsste schließlich auch so von den Käufern bezahlt werden."

Der Staatsanwalt warf den beiden Männern vor, gemeinschaftlichen Handel betrieben und arbeitsteilig den Verkauf von Betäubungsmitteln geplant zu haben. Eine Erklärung wollen der 42-jährige Jens L. und sein 26-jähriger Komplize bis Ende des Monats schriftlich abgeben.

Erster Zeuge war gestern der Mann aus dem Landeskriminalamt, der auf Jens L. aufmerksam geworden ist. Vor zwei Jahren habe es einen großen Drogenfund bei Mitgliedern des Motoradclubs Bandidos gegeben. "Der Angeklagte stand in ständigem Telefonkontakt mit einem der Betroffenen", erklärte der Polizist. Es seien immer wieder Sätze gefallen, wie "ich brauche heute Abend ganz dringend deinen Pullover". Die Beamten schlossen auf Übergaben von Betäubungsmitteln. Das Telefon von Jens L. wurde überwacht, er von Polizisten observiert.

Die nehmen Jens L. und Danny G. am 7. April vor der Haustür vorläufig fest. Die Drogen werden sichergestellt. Und auch die Gürteltasche des Angeklagen Jens L. Darin: Eine beträchtliche Menge Geld und ein Messer mit einer zirka zehn Zentimeter langen Klinge.

Nicht nur das Messer begutachtete die Vorsitzende Richterin gestern, sondern auch Fotos, die die Zugehörigkeit des Angeklagten Jens L. zum Motorradclub der Bandidos beweisen sollen. Die Fotos seien auf der Einweihungsfeier eines neuen Clubhauses entstanden, erklärte der Polizist.

Drogenhändler soll zur Bandidos-Szene gehören

Auf dem Hals von Jens L. steht tätowiert in einem schwarzen Rahmen eine Eins und das Prozentzeichen. "Kann es nicht auch sein, dass die ein Prozent für die Freiheit stehen, nicht zu einem Club gehören zu wollen?", fragte Rechtsanwalt Thorsten Bornholdt den Polizisten. Dessen Erfahrung sei allerdings eine andere. Das Zeichen "One Percent" soll nach eigener Beschreibung der Szene für das eine Prozent der Biker stehen, die sich nicht an allgemeine Regeln und Gesetze halten wollen.

Was die Verteidigung auch in Frage stellt: Ob die gesamten Drogen wirklich für den Verkauf gedacht waren. Deshalb musste gestern als zweite Zeugin eine Chemielaborantin aus dem Landeskriminalamt aussagen. So eine Vernehmung sei nicht üblich, räumte die Vorsitzende Richterin ein und ließ sich von der Zeugin die Untersuchung des sichergestellten Marihuanas erklären. Die Richterin hakte nach: "Roch alles frisch? Oder gab es schon Spuren von Schimmel?" "Das ist ein Naturprodukt, wären die Pflanzen verschimmelt gewesen, hätte ich aufgrund der Pilzsporen die Tests so nicht durchführen können und das im Protokoll festgehalten", erklärte die Laborantin.

Nicht im Sinne der Verteidigung: "Mein Mandant ist der Überzeugung, dass ein Teil des aufgefundenen Marihuanas bereits vergammelt war, und hatte vor es zu entsorgen", sagte Rechtsanwalt Bornholdt auf Volksstimme-Nachfrage. Hätten die Drogen nicht weiterverkauft, sondern entsorgt werden sollen, könnte sich das mildernd auf das Strafmaß auswirken.