Magdeburg l Sachsen-Anhalts Frauenhäuser beherbergen beinahe genauso viele Kinder wie Erwachsene: Im vergangenen Jahr brachten 688 Frauen insgesamt 531 Töchter und Söhne mit. Von Erzieherinnen betreut wurden dort die wenigsten von ihnen. Denn das Land zahlt zwar einen Zuschuss für die Unterbringung der Kleinen, nicht aber für ihre psychosoziale Betreuung.

Die ist jedoch bitter nötig, erklärt Valerija Manjuk vom Frauenhaus Magdeburg: "Man muss ihnen kindgerecht erklären, was ein Frauenhaus ist", sagt sie. "Viele wurden auch geschlagen und müssen das mit professioneller Hilfe verarbeiten. Die Sozialarbeiter schaffen das nicht nebenbei, außerdem fehlt ihnen dazu eine spezielle Ausbildung."

Theoretisch können Mütter beim Jugendamt einen Antrag auf Betreuung stellen. Doch bis der bearbeitet ist, haben sie das Haus oft schon wieder verlassen.

Thema wird bei Gleichstellungsministerkonferenz besprochen

Die Träger der Frauenhäuser - in der Regel Vereine oder Hilfsorganisationen - können sich meist keine Erzieherinnen leisten. Nur vier der 20 Frauenhäuser im Land haben Glück. In Magdeburg etwa finanziert die Stadt eine Stelle, obwohl sie nicht mehr Träger ist. In Ballenstedt (Harz) gibt es die Fachkraft nur, weil zur Einrichtung noch ein Wohnprojekt für junge Mütter gehört. Sachsen-Anhalts Gleichstellungsministerin Angela Kolb (SPD) sieht das Land nicht in der Lage, mehr Geld für die Frauenhäuser aufzubringen als die derzeit 1,3 Millionen Euro im Jahr. Sie dringt auf eine bundesweit einheitliche Finanzierung, die auch einen Anspruch von Kindern auf Erzieherinnen einschließt. Gestemmt werden sollte diese Finanzierung demnach nicht nur wie bisher von Ländern, Kommunen und Trägern. "Hier ist auch der Bund in der Pflicht", sagt sie.

Das Bundesfamilienministerium hält sich auf Volksstimme-Anfrage zurück. Eine Sprecherin interpretiert Kolbs Vorstoß lediglich als Forderung nach einem Rechtsanspruch auf Betreuung und Beratung. "Das ist nicht gleichzusetzen mit einem Gesetz zur Finanzierung", sagt sie.

Bis sich etwas bewegt, kann es noch dauern. Auf Kolbs Anregung wird das Thema nun erst einmal im Herbst bei einer Konferenz der Gleichstellungsminister besprochen. Zudem soll sich eine Arbeitsgruppe damit befassen.