Frankfurt | Das ist ja wieder typisch Frankfurt. In der Geld- und Börsenmetropole kann man aber auch kein Geld einfach so liegen lassen. Nicht mal kleine Centstücke. Diese traurige Erfahrung musste nun der Darmstädter Künstler Ralf Kopp machen. Er hatte sich so viel Mühe gegeben und in der Frankfurter Fußgängerzone eine Skulptur gebastelt. Er legte auf dem Boden ein Wort mit Geldstücken aus.

Das Kunstwerk, das den sinngebenden Titel "Vertrauen" trug und auch entsprechend gestaltet war, hat die erste unbeaufsichtigte Nacht leider nicht überstanden. Böse Kunstbanausen und Pfennig- pardon - Centfuchser haben den wahren Wert des "Vertrauens" nicht erkannt und die rund 54000 Ein-Cent-Stücke mitgehen lassen. Ursprünglich sollte das "Vertrauen" eigentlich mindestens 14 Tage vor der St.-Katharinen-Kirche in Frankfurt liegen. Doch das war zu viel des Vertrauens, das Geld ist nun weg. "Am Morgen war ich kurz enttäuscht", sagte Kopp am Freitag noch etwas mitgenommen dem Evangelischen Pressedienst. Aber er habe auch viele positive Erfahrungen gemacht.

Die soziale Plastik sollte testen, ob "Vertrauen" stärker ist als die Gier nach Geld. Über das Ergebnis des Experiments ist sich der Künstler nicht sicher: Wenn Obdachlose das Geld genommen hätten, wäre das keine Gier, sagte er. Wenn es andere waren, dann schon. Der Geldwert der jeweils einen Meter langen und einen halben Meter breiten Buchstaben betrug insgesamt 540 Euro. Positiv überrascht habe ihn, dass am Vortag manche Passanten Geldstücke dazugelegt und andere sich hingekniet hatten, um einzelne Buchstaben wieder in Form zu bringen.

Kopp will auf alle Fälle weitermachen. Vor dem Bundestag will er bald das Wort "Demokratie" in Centstücken legen. Das Thema lautet: "Gier frisst Demokratie". Rechtzeitiges Kommen zur Betrachtung des neuen Cent-Werkes ist angeraten.