Magdeburg (dpa) l Es hagelte Proteste bis hin zu persönlichen Angriffen: Sachsen-Anhalt hat seinen Theatern und Orchestern binnen eines Jahres eine heftige Schrumpfkur verordnet. Das Land zahlt nun noch 30 Millionen Euro jährlich, 2013 waren es noch 36 Millionen. Der letzte von insgesamt neun Theaterverträgen in Sachsen-Anhalt wird an diesem Donnerstag unterzeichnet - mit der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle. Sie ist neben dem Anhaltischen Theater Dessau das am meisten gebeutelte Haus. Von etwa 12 auf nun 9 Millionen sinkt die jährliche Landesförderung für die Theatermacher dort.

Die Landesregierung spart nicht nur bei den Theatern, auch Hochschulen und Polizei leisten Beiträge zum Sparen in dem mit 20,5 Milliarden Euro verschuldeten Land, kleine Grundschulen werden geschlossen. Für die Landesregierung hat Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) die Kürzungen durchgesetzt. "Wir werden uns die Theaterlandschaft nicht mehr leisten können", sagte der, der selbst gern ins Theater geht. So nennt Dorgerloh das Beispiel von Wagners Ring, der in Halle und im rund 50 Kilometer entfernten Dessau gleichzeitig aufgeführt wurde. Die Auslastungszahlen seien nicht überall zufriedenstellend.

Seit diesem 12. Juni 2013, an dem er die Sparpläne verkündete und auch Spartenschließungen nicht ausschloss, lud er Zorn auf sich. Dorgerloh wurde von Schauspielern persönlich angegangen, sein Staatssekretär in einem Bühnenstück erkennbar lächerlich gemacht. Heute sagt er: "Theaterdiskussionen sind immer kräftige Debatten und es ist immer ein groß inszenierter Prozess. Das ist in Mainz genauso wie in Wuppertal, Schwerin oder in Neustrelitz. Das gehört zum Theater im doppelten Wortsinn dazu." Seine Verhandlungspartner aber waren die Kommunen - sie sind Träger der Theater.

Dorgerloh betont, dass das Land keine künstlerischen Konzepte vorgeben will, auch wenn er anfangs klar von möglichen Spartenschließungen sprach. "Das ist nicht Aufgabe von Kulturpolitik, sondern da gilt die Freiheit der Kunst." Dem Land sei es um den Blick auf den Landeshaushalt und die Leistungsfähigkeit der teils sehr klammen Kommunen gegangen. Zudem sei es um Gerechtigkeit gegenüber anderen kulturellen Bereichen wie dem Denkmalschutz, der freien Szene oder großen Jubiläen wie Bauhaus 2019 gegangen. Auch musste ein Ausgleich geschaffen werden unter den Häusern, das Theater Magdeburg habe deutlich weniger Geld bekommen als Halle oder Dessau - die Landeshauptstadt blieb nun von Sparmaßnahmen verschont.

Die Theater büßen nicht nur ein, sie gewinnen auch: Mit den Theaterverträgen, die fünf Jahre lang für finanzielle Sicherheit sorgen, werden die Haustarifverträge abgeschafft. Das war Bedingung des Landes. Dazu kommt, dass das Land Sachsen-Anhalt künftig die Tarifsteigerungen mitträgt, man geht von zwei Prozent pro Jahr aus. Für nötige Personalreduzierungen und weitere Strukturänderungen - in Halle und Dessau werden laut Kultusministerium zusammen etwa 160 Stellen abgebaut - legt das Land einmalig 9,2 Millionen Euro drauf.

Besonders hart gekämpft hat das Anhaltische Theater Dessau. Die Förderung sank von 8,1 auf 5,2 Millionen Euro. Dorgerloh wollte hier einem Vorschlag der Stadt Dessau folgen: Das Musiktheater erhalten, Ballett und Schauspielsparte schließen. Stattdessen sollte es Gastspiele anderer Häuser geben. Nach monatelangen Kämpfen erreichte die Theatercrew den Erhalt des Theaters als Vier-Sparten-Haus mit Musiktheater, Schauspiel, Ballett und Puppentheater. Ihre Gegenleistung: Die Beschäftigten arbeiten nur noch 90 Prozent und verdienen entsprechend weniger. Es werden aber Beschäftigte das Haus verlassen müssen, es wird weniger Premieren geben, kündigte Intendant André Bücker an.