Hohe Honorare allein sind keine Lösung
Das Gesundheitsforschungsinstitut Iges hat in einem Gutachten festgestellt, dass eine hohe Vergütung Ärzte nicht in dünn besiedelten Regionen lockt.

Zwischen 2009 und 2012 lagen die Umsätze von Hausärzten in Sachsen-Anhalt 17 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Dennoch herrschte Unterversorgung. Die Auslastung lag - gemessen an der Fallzahl pro Arzt - um mehr als 25 Prozent über dem Schnitt. Höhere Honorare seien kaum geeignet, "um die Attraktivität von strukturschwachen Regionen für niederlassungswillige Ärzte zu erhöhen", meinen die Gutachter. "Angesichts einer so hohen Kapazitätsauslastung der Praxen in Sachsen-Anhalt" warnen sie vor Qualitätseinbußen in der Versorgung.

Die Kassenärztliche Vereinigung stellt diese Ergebnisse jedoch in Frage. "Wir haben in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass mit finanziellen Anreizen schon Ärzte gefunden wurden, die bereit waren, verwaiste Praxen zu besetzen", sagte Vorsitzender Burkhard John.

Halle l Katharine Wendt spürt eine Berufung. "Ich will Menschen über Jahre begleiten, Nähe aufbauen. Als Landarzt ist das möglich. Das ist wirklich der Beruf, den ich gern machen möchte", sagt die Studentin selbstbewusst.

Sie ist seit dem Jahr 2011 Teil des ersten Jahrgangs der "Klasse Allgemeinmedizin" an der Uni Halle. Nach dem Studium will sie in ihre Heimat, in den Landkreis Mansfeld-Südharz, zurückkehren und eine eigene Praxis betreiben. "Wenn wir mit der Facharztausbildung fertig sind, wird der Bedarf im Land sehr groß sein, die Aussichten sind also gut", sagt Katharine Wendt.

Doch was sich zunächst verlockend anhört, kann auch bedrohlich wirken. Immer weniger Ärzte müssen in dünn besiedelten Regionen immer mehr Patienten versorgen. "Ich will nicht arbeiten, um kaputtzugehen", beschreibt sie ihre Sorgen.

Die kennt Thomas Dörrer nur zu gut. Der Landarzt engagiert sich deshalb als Mentor und Lehrer in der "Klasse Allgemeinmedizin". "Unser Beruf hat sein schlechtes Image nicht verdient. Die Angst vor zu viel Arbeit und wirtschaftlicher Unsicherheit will ich den Studenten gern nehmen", beschreibt der 39-Jährige seine Motivation.

43 Studierende in drei Jahrgängen absolvieren derzeit das Programm an der Uni Halle. 20 Plätze stehen pro Jahr zur Verfügung, gut ein Drittel der Studenten steigt aus.

In diesem Fall muss das Stipendium in Höhe von 800 Euro pro Monat komplett zurückgezahlt werden. Für Katharine Wendt ist das aber kein Thema. Sie will ihrer Berufung nachgehen: Ärztin auf dem Land.