In Sachsen-Anhalt gibt es 125 Schülerzeitungs-Redaktionen. Die meisten sind in Grundschulen zu finden (57), gefolgt von Sekundarschulen (27) und Gymnasien (24).

Beim bundesweiten Schülerzeitungswettbewerb der Länder "Kein Blatt vorm Mund" haben sich in diesem Jahr 1900 Redaktionen beworben.

Aus Sachsen-Anhalt wurden 33 Bewerbungen eingesandt. Wer ins Bundesfinale kommt, bestimmt eine Jury beim Verband junger Medienmacher Sachsen-Anhalt (fjp media). Sie prämiert die beste Zeitung jeder Schulform mit der "Goldenen Feder" und reicht diese Sieger zusammen mit weiteren sehr guten Zeitungen an die Bundesjury weiter.

In diesem Jahr gab fjp media die Zeitungen aus folgenden acht Schulen an die Bundesjury weiter: Evangelische Grundschule Magdeburg, Grundschule Magdeburg, Ottersleben, Gymnasium Martineum Halberstadt, Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasium Wolmirstedt, IGS Willy Brandt Magdeburg, Ganztagsschule Johannes Gutenberg Wolmirstedt, Hugo-Kükelhaus-Schule Magdeburg, Reinhard-Lakomy-Schule Halberstadt.

Auf Bundesebene wurden für jede Schulform die Plätze 1 bis 3 sowie ein Förderpreis vergeben. Veranstaltet wird der Bundeswettbewerb von der Jugendpresse Deutschland und den Bundesländern. Schirmherr ist Bundesratspräsident Stephan Weil.

Wer eine Schülerzeitung gründen möchte, kann beim Verband junger Medienmacher Starthilfe beantragen.

Infos gibt es online unter www.sz-kampagne.de.

Eine der besten Schülerzeitungen Deutschlands kommt aus der Börde: Für ihre "Reality" haben Wolmirstedter Gymnasiasten einen Preis im Bundeswettbewerb "Kein Blatt vorm Mund" gewonnen. In der Siegerausgabe verwandelten sie kleine Pannen in Extravaganzen.

Wolmirstedt l "Kinogutscheine zu gewinnen: Wer findet zehn Rechtschreibfehler in dieser Ausgabe?" Liebe Leser, fangen Sie jetzt bitte nicht an zu blättern. Dieser Aufruf stammt nicht von der Volksstimme - schon allein deshalb, weil wir inständig hoffen, dass unsere Korrekturleserin gestern alle Fehler herausgefischt hat. Nein, dieses Gewinnspiel stand im vergangenen Jahr in der "Reality", der Schülerzeitung des Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasiums Wolmirstedt.

Ganz schön schlau, diese Verlosung - so bringt man Leser dazu, eine Zeitung von vorn bis hinten durchzulesen. Ganz schön kreativ dazu. Und vor allem: ganz schön mutig. Das fanden auch die Juroren des Schülerzeitungswettbewerbs der Länder. Sie haben die Sachsen-Anhalter mit dem Förderpreis in der Kategorie Gymnasium bedacht. Den gibt es für Blätter mit besonderem Entwicklungspotenzial.

In 300 Zeitungen Sticker und Gewinnspiel eingeklebt

Dabei entstand der Such-Aufruf nach "stätig", "Rassissmus" und anderen Duden-Fremdgängern damals aus der Not heraus. Sabine Schubinski, Deutsch-Ass in Klasse neun und Chefredakteurin des preisgekrönten Blattes, erinnert sich: "Als die Zeitung aus dem Druck kam, haben wir plötzlich entdeckt, dass einige Seiten halb leer waren." Das hatten die Schüler beim Layouten übersehen. Und nun? So konnte man die Zeitung doch nicht verkaufen. Geschweige denn für einen Preis einreichen.

In einer Krisensitzung kam den Gymnasiasten die rettende Idee - eine sehr aufwändige: Die leeren Flächen kann man doch einfach überkleben, dachten sie sich. Und so zückten 18 Nachwuchs-Reporter statt Kugelschreibern mal den Prittstift und peppten 300 Zeitungen einzeln mit Schullogos, Stickern und eben jenem Gewinnspiel auf.

Genau mit dieser Aktion schindeten die Wolmirstedter bei der Bundesjury Eindruck. In der schriftlichen Laudatio klingt das so: "Auffällig ist der Mut zu gestalterischen Extravaganzen. So wagt die Redaktion die Flucht nach vorn und fordert ihre Leser dazu auf, nach Rechtschreibfehlern in der vorliegenden Ausgabe zu suchen. (...) Überhaupt ist das Heft an einigen Stellen nach Drucklegung mit kleinen per Hand eingeklebten Extras verziert worden, sodass der Leser das Gefühl hat, ein Einzelstück in den Händen zu halten." Welch Ode an die Bastelstunde.

Dass sie mit ihrem Improvisationswerk einen Förderpreis gewinnen, darauf wären die Börde-Schüler nie gekommen, sagen sie. "Wir wussten ja nicht einmal, dass unsere Zeitung an die Bundesjury weitergegeben wurde", erzählt Neuntklässlerin Lea Fabricius.

Zu verdanken haben sie die Nominierung der Jury von fjp media, dem Verband junger Medienmacher in Sachsen-Anhalt. "Ein Argument für sie war das Durchhaltevermögen der Redaktion", erklärt Olaf Schütte. Die "Reality" gibt es nämlich schon seit 1998. Das sei besonders in einer Stadt wie Wolmirstedt eine Besonderheit: "Die Schüler kommen aus vielen unterschiedlichen Orten. Da ist es schwierig, Themen zu finden, die alle interessieren."

Vom großen Sieg erfahren hat als erstes Lea - und zwar aus purem Zufall. "Es stand in einer Meldung auf Facebook. Ich kann mich nicht einmal mehr erinnern, von wem sie kam." Ihr erster Gedanke: Das muss eine Verwechslung sein. "Die Ganztagsschule in unserer Stadt hat nämlich auch eine tolle Schülerzeitung", erzählt sie. Sogar ihre Lehrerin, Karin Petersen, dachte erst an ein Missverständnis. In einer E-Mail belehrte sie fjp media dann aber eines Besseren.

Überreicht wurde der Förderpreis von einem Polit-Promi der Klasse A: Bundesratspräsident Stephan Weil (SPD). Zwei "Reality"-Redakteure - per Los bestimmt - durften sich vor einigen Wochen in Schale werfen, nach Berlin fahren und sich feierlich die Hand schütteln lassen. Chefredakteurin Sabine war eine der Glücklichen. Für sie eine ganz schön aufregende Angelegenheit. Zum Glück gab es zwischen all den wichtigen Menschen auch eine Band und einen Zauberer, die haben ihr ein bisschen die Nervosität genommen.

Nach der Verleihung holten sich die zwei Wolmirstedter noch bei einem Schülerzeitungs-Kongress Tipps von Profis, zum Beispiel von einem Redakteur des Magazins "Neon". Es war übrigens nicht das erste Mal, dass "Reality"-Reporter zur Preisverleihung des Schülerzeitungswettbewerbs gefahren sind: Die Vorgänger der jetzigen Redaktion haben vor zehn Jahren den Bundessieg unter allen Gymnasien geholt. Davor staubten sie zweimal hintereinander den Landespreis "Goldene Feder" ab. Die aktuelle Besetzung musste allerdings noch einmal von Null anfangen. Denn als die damalige Erfolgs-Generation Abitur gemacht hatte, dümpelte die AG Schülerzeitung ein paar Jahre lang vor sich hin - bis Karin Petersen 2010 dann ein paar Schreibtalente für einen Neustart zusammengesucht hat.

Noch kein Geld für die nächste Ausgabe

Seitdem trifft sich die Redaktion alle zwei Wochen. Dann werden die Artikel für die neue Ausgabe - meist erscheinen zwei im Jahr - besprochen. Die Bandbreite reicht vom Schulfest-Bericht, über ein Interview mit dem stellvertretenden Schulleiter bis hin zum Ratgeber gegen Prüfungsangst. Es gibt sogar eine kritische Karikatur - in der aktuellen "Reality" kreidet sie an, dass es im Toilettenraum oft aussieht wie im Saustall.

Kleine Erfolge hatten die Reporter um Chefredakteurin Sabine auch schon vor dem Förderpreis - im Jahr 2012 gab es zum Beispiel für einen Artikel über Schulranzen einen Sonderpreis bei der Goldenen Feder.

An einem Punkt kann die heutige Generation allerdings noch nicht an die Preisträger von 2004 anknüpfen: bei den Finanzen. "Das Polster, das sie uns hinterlassen haben, ist mittlerweile aufgebraucht, und unsere Preisgelder sind auch alle", berichtet Karin Petersen. "Wir wissen nicht einmal, ob wir die nächste Ausgabe überhaupt drucken können." Dabei ist sogar schon ein ganzes Themenpaket zu gesunder Ernährung fertig. Im Dezember sollte die neue "Reality" in Druck gehen.

Mit dem Bundespreis zumindest kann die Redaktion die Kosten nicht begleichen - denn der ist nicht dotiert. Und der Verkaufserlös - pro Exemplar 1 Euro für Schüler, 2 Euro für Lehrer - hält sich in Grenzen. "Es wollen zwar viele die Zeitung haben. Aber etwas dafür bezahlen wollen nur wenige", erzählt Niklas Voss, als Siebentklässler eines der zwei Nesthäkchen in der Runde.

Die Redaktion will jetzt ein Anzeigenteam bilden, das bei Firmen in der Region Klinken putzen geht. Ihre Urkunde sollte die Delegation dann auf jeden Fall in der Tasche haben. Vielleicht verschafft ihnen der Förderpreis so doch noch das Geld für die Weihnachtsausgabe.

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