Gütersloh/Magdeburg (dpa) | In Sachsen-Anhalts Kindertagesstätten herrscht einer Studie zufolge weiter ein dramatischer Mangel an Erzieherinnen. Eine Betreuerin kümmere sich dort durchschnittlich um 6,7 Kinder unter drei Jahren, hieß es in einer Mitteilung zum "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme", den die Bertelsmann Stiftung am Freitag in Gütersloh veröffentlichte. Das Verhältnis sei schlechter als in allen anderen Bundesländern, darunter leide die Qualität der Kitas, hieß es. Die Experten empfehlen für diese Altersgruppe 3 Kinder pro Erzieherin.

Schon im vergangenen Jahr hatte Sachsen-Anhalt beim Verhältnis von Erzieherinnen zu Kindern um bundesweiten Vergleich ganz hinten gelegen. Damals widersprach das Sozialministerium dem Eindruck, die Betreuung der Kinder sei im Land schlecht. Die Ganztagsbetreuung in Sachsen-Anhalt sei nicht vergleichbar mit der im Aufbau begriffenen stundenweisen Betreuung in den alten Bundesländern, sagte ein Sprecher. Neben dem Personalschlüssel seien die Qualifizierung und die Dauer der Betreuung entscheidend.

Nach Rechnungen der Bertelsmann Stiftung seien insgesamt 9200 zusätzliche Erzieherinnen im Land erforderlich. Das würde die Personalkosten um 407 Millionen Euro pro Jahr erhöhen. "Das ist eine gewaltige Kraftanstrengung, die sich aber lohnt, weil die Kita-Qualität entscheidend ist für gutes Aufwachsen und faire Bildungschancen aller Kinder", sagte Stiftungsvorstand Jörg Dräger.

Die Experten fordern daher mehr finanzielle Unterstützung des Bundes. "Der Kita-Rechtsanspruch hat die Bundesländer gezwungen, die Quantität der Kita-Plätze zu erhöhen. Nun sollte ein Bundes-Kita-Gesetz dafür sorgen, dass auch überall die Qualität stimmt", sagte Dräger.