Thomas Webel, CDU-Chef in Sachsen-Anhalt, wird am morgigen Sonntag 60 Jahre alt. Michael Bock sprach mit ihm über das Jubiläum und seine politische Zukunft.

Herr Webel, als Sie noch Landrat waren, haben Sie mit Blick auf ein Ministeramt abgewinkt: Lieber Kapitän auf einer Nussschale als Erster Offizier auf einem Ozeandampfer. Nun sind Sie seit 2011 Verkehrsminister. Schon mal bereut?
Thomas Webel:
Nein, auch wenn ich nicht verhehlen will, dass ich sehr gern Landrat gewesen bin. Ein Ministeramt bietet allerdings andere Chancen zur Gestaltung. Die Aufgabe ist auch umfassender als im Landratsamt. Das Ressortprinzip sichert einem Minister zudem relativ große Gestaltungsspielräume bei seiner Aufgabenerfüllung. Diese nutze ich gern, um unser Land weiter voranzubringen. Ich bin also ein kleiner Kapitän. Und das gefällt mir.

Volksstimme: Was bleibt im bisherigen politischen Werdegang unvergessen?
In der Zeit seit 1990 gab es viele Momente, die auch nach Jahren auf unterschiedliche Weise wichtig geblieben sind. Die deutsche Einheit und die Aufbruchsstimmung 1990, der Selbstbehauptungswille der CDU als Opposition in den Jahren 1994 bis 2002 und unsere Erfolge bei den Landtagswahlen von 2002, 2006 sowie 2011. Auch meine eigenen Wahlen als Landtagsabgeordneter, als Landrat und als Vorsitzender der CDU sind Dinge, die mich bewegt haben.

Alles in allem bleibt jedoch das Jahr 1994 mit seinen gegensätzlichen Entwicklungen für mich persönlich in doppelter Hinsicht in Erinnerung. Auf der einen Seite bin ich damals in der Stichwahl mit mehr als 50 Prozent zum Landrat des neuen Ohrekreises gewählt worden und konnte am selben Tag auch das beste Wahlergebnis aller Landtagskandidaten holen - ebenfalls mit mehr als 50 Prozent. Sie werden es im Übrigen kaum glauben: Viele Leute haben damals mit der Erststimme Webel gewählt - und mit der Zweitstimme PDS. Auf der anderen Seite reichte dieser überwältigende Zuspruch jedoch nicht aus, um das "Magdeburger Modell", die Tolerierung einer rot-grünen Minderheitsregierung durch die PDS, zu verhindern.

Wie hat Sie die Politik verändert?
Mit dem Älterwerden verändern wir uns alle, ganz unabhängig von der Politik. Meine Freunde sagen jedoch, ich wäre immer noch ganz der Alte. Ich bedauere persönlich, dass ich nicht immer ausreichend Zeit für meine Familie und meinen Freundeskreis habe.

Was fällt Ihnen im Ministeramt besonders schwer?
Dass ich nicht jedem helfen kann, der mich um Unterstützung bittet. Das tut mir immer leid. Aber ein Politiker kann nicht zaubern. Er ist an Recht und Gesetz gebunden.

Sie sind seit 2004 Landesvorsitzender und damit der dienstälteste in allen CDU-Landesverbänden. Im November wählt Sachsen-Anhalts CDU einen neuen Vorstand. Treten Sie erneut als Parteichef an?
Ja, denn ich möchte mit meiner Erfahrung dazu beitragen, dass die CDU bei der Landtagswahl 2016 erneut erfolgreich ist und wir wieder den Regierungsauftrag erhalten. Dem Land soll eine Neuauflage von Rot-Rot erspart bleiben. Ich persönlich habe übrigens noch nie eine Wahl verloren. (Augenzwinkernd) Der politische Mitbewerber hat mal gesagt: Der Webel könnte auch in Häftlingsklamotten und Handschellen in einer Zelle fotografiert werden - und würde trotzdem gewählt werden.