Meteomedia hat über den Twitter-Kanal Unwetterzentrale gemeldet, dass in Ilsenburg 80 Liter Regen pro Quadratmeter in nur einer Stunde gefallen sind.

Ilsenburg/Halberstadt | Eine heftige Unwetterfront ist am Sonnabend über Teile Sachsen-Anhalts gezogen und hat insbesondere im Harz für große Schäden gesorgt. In Ilsenburg wurden nach sintflutartigen Wolkenbrüchen Teile der Stadt überschwemmt.

"Über dem Ort hat sich eine Gewitterzelle entladen und den Pegel der Ilse binnen kürzester Zeit extrem anschwellen lassen", sagte die Leitende Einsatzbeamtin des Harzer Polizeireviers, Anja Hempel. Obendrein stürzten Wasser- und Schlamm-Massen aus den Bergen hinunter in die Stadt und durch diese hindurch. Über Verletzte war in den Abendstunden nichts bekannt. Offenbar mussten Feuerwehr und Rettungskräfte aber einzelnen Personen helfen, ihre Wohnungen zu verlassen. Dies betraf insbesondere ältere Einwohner.

40 Zentimeter Wasser in Ilsenburgs Innenstadt

Der Pegel der Ilse, der gewöhnlich bei etwa 1,25 Metern liegt, stieg binnen kürzester Zeit auf weit über zwei Meter. "Die komplette Innenstadt steht mehr als 40 Zentimeter", sagte Hauptkommissarin Hempel am späten Abend. Zahlreiche Keller seien geflutet und Gullys hochgedrückt worden. Die Feuerwehren sowie Kräfte des THW waren pausenlos im Einsatz, um Gebäude zu schützen und Keller leerzupumpen.

Neben der Innenstadt seien auch eine Tankstelle und das Gewerbegebiet neuralgische Punkte. Zudem sei ein Hotel vom Ortskern abgeschnitten. "Jetzt drückt insbesondere das Wasser samt Schlamm von den Bergen her in die Stadt", hieß es gegen 21.45 Uhr. Obendrein sei es auch zu kleineren Erdrutschen gekommen. Der Bahnverkehr zwischen Ilsenburg und Vienenburg kam aufgrund unterspülter Gleise ebenfalls zum Erliegen.

Zahlreiche Feuerwehren aus dem Harz-Kreis im Einsatz

Die Kreis-Leitstelle beorderte nach Angaben eines Sprechers etwa die Hälfte aller Feuerwehren aus dem Harz-Kreis in die Stadt am Fuße des Brockens. Hinzu kamen Mitglieder der THW-Ortsgruppe Halberstadt mit ihrer Pumptechnik sowie ein Statikexperte vom THW Quedlinburg. Zur Koordinierung bauten die Rettungskräfte vor Ort eine Leitzentrale auf. Unterstützung bekamen die Ilsenburger unter anderem aus Blankenburg und von dem Wehren im Oberharz.

Zudem rückte auch die Ortsfeuerwehr Dedeleben (Gemeinde Huy) mit zwei Fahrzeugen und elf Mitgliedern an. Die Feuerwehren aus Stapelburg und Osterwieck, die zunächst auch in Ilsenburg vor Ort waren, wurden am späten Abend in ihre Orte zurückgeschickt, um dort gegen die Folgen des Wolkenbruchs anzukämpfen oder sich auf den steigenden Ilsepegel vorzubereiten.

Neben Feuerwehr, THW und Polizei waren auch Bereitschaftsdienste der Kreisverwaltung sowie Vertreter von Wasserversorgern und Abwasserzweckverbänden vor Ort. Zudem versuchten Mitarbeiter von Energieversorgern die Lage zu stabilisieren.

   

Bilder

Ilsenburg überflutet

Ilsenburg (mh) l Durch ein heftiges Unwetter sind in Ilsenburg am Sonnabend zahlreichen Straßen und Keller überflutet worden. Die Feuerwehr war im Dauereinsatz.

  • Die Hochofenstraße wurde binnen weniger Minuten zur Hochwasserstraße. | Foto: Jörg Niemann

    Die Hochofenstraße wurde binnen weniger Minuten zur Hochwasserstraße. | Foto: Jörg Niemann

  • Der Versorgungstrupp des Landkreises wurde von Jugendzeltlager in Tanne abkommandiert und machte hunderte Würstchen heiß. | Foto: Jörg Niemann

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  • Auch diese drei Frauen, eine davon hochschwanger, packten mit zu. | Foto: Jörg Niemann

    Auch diese drei Frauen, eine davon hochschwanger, packten mit zu. | Foto: Jörg Niemann

  • Die Tankstelle am Veckenstedter Weg unter Wasser. Aus Sicherheitsgründen muss sie bis auf weiteres geschlossen bleiben. | Foto: Jörg Niemann

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  • Ein typisches Bild jenes Abends: Wie hier an der Tankstelle halfen sich Nachbarn und Bekannte. | Foto: Jörg Niemann

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  • In der alten Handballhalle wurden im Akkord Sandsäcke befüllt. | Foto: Jörg Niemann

    In der alten Handballhalle wurden im Akkord Sandsäcke befüllt. | Foto: Jörg Niemann

  • Dieser Anwohner  der Wernigeröder Staße versucht einen Abfluss freizulegen. | Foto: Jörg Niemann

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  • Mit Steinen versuchten die Anwohner, ihre Häuser vor den Wassermassen zu schützen. | Foto: Jörg Niemann

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  • Auch die Marienhöfer Straße stand komplett unter Wasser. | Foto: Jörg Niemann

    Auch die Marienhöfer Straße stand komplett unter Wasser. | Foto: Jörg Niemann

  • Straßenränder wurden unterspült. | Foto: Jörg Niemann

    Straßenränder wurden unterspült. | Foto: Jörg Niemann


  • Quelle: Jan Helmecke


  • Quelle: Jan Helmecke


  • Quelle: Jan Helmecke

  • Auch in Osterwieck hat es nach dem Unwetter Überflutungen gegeben.

    Auch in Osterwieck hat es nach dem Unwetter Überflutungen gegeben.
    Quelle: Privat/Tim Mattausch