Über den RoboCup
Der RoboCup ist ein weltweiter Roboter-Wettbewerb für Schüler, Studenten und Wissenschaftler. Seit 2001 gibt es ihn auch in Deutschland. Die Roboter müssen je nach Liga z.B. Fußball spielen, Hausarbeiten erledigen oder simulierte Verschüttungs-Opfer im Labyrinth finden - ohne Fernbedienung. Zur WM reisen jährlich rund 2000 Teilnehmer. Deutsche belegen häufiger erste Plätze. In diesem Jahr hat auch ein Team aus Darmstadt einen Titel geholt. Die größte RoboCup-Veranstaltung nach der WM ist die German Open. Sie findet seit 2010 in Magdeburg statt.

Video vom WM-Finallauf der Magdeburger: dalu.bplaced.net/?p=830

Magdeburg l "Das da ist vorn!" Lukas grinst. Ein durchaus sinnvoller Hinweis, den er da gibt. Denn der Roboter vor ihm sieht weder R2-D2 ähnlich, noch einer dieser anderen Maschinen in Menschengestalt, die man aus dem Fernsehen kennt. Nichts mit Kopf, Rumpf und Beinen - dieser Körper besteht aus drei Glasfaser-Platten und vier Rädern. Damit kann Rotec IV - so sein Name - zwar nicht mit dem futuristischen Chic eines Star-Wars-Droiden mithalten. Dafür hat er andere Stärken. Immehin hat er seine Erschaffer zu Weltmeistern gemacht.

Im brasiliansichen Joao Passao setzten sich Lukas Hoyer aus Biederitz (Jerichower Land) und Daniel Busse aus Wedderstedt (Harz) mit dem Roboter gegen 22 Teams aus 15 Nationen durch und holten somit den Titel der Unter-21-Jährigen. In ihrer Liga - RescueB genannt - muss das Gefährt eigenständig durch ein Labyrinth fahren, Hindernissen ausweichen und Wärmeplatten finden. Das Ganze hat einen ernsthaften Hintergrund: Die Maschinen sind Vorstufen von Rettungsrobotern, die in Katastrophengebieten Verschüttete aufspüren - daher auch die Liga-Bezeichnung "Rescue" für Rettung.

Am ersten Tag galt Murphys Gesetz

Am ersten der drei Wettbewerbstage sah es für die beiden noch gar nicht nach WM-Titel aus. Der 15-jährige Daniel erinnert sich: "Bei uns galt Murphys Gesetz: Was schiefgehen konnte, ging schief." Erst blieb der Roboter an einer Wand hängen. Dann warf er das Rescue Kit - ein Plastik-Chip, der ein Erste-Hilfe-Set simuliert - zu weit weg vom "Opfer" - einer Wärmeplatte - ab. Zu allem Überfluss vergaß der Roboter dann später noch, sich umzudrehen. Das kostete Punkte. Doch in den nächsten Tagen holten die Sachsen-Anhalter auf. Im Finale am vergangenen Donnerstag ließen sie schließlich ein Team aus Japan hinter sich.

Mit dem Jubeln warteten die Jungs allerings bis Freitag - vorsichtshalber. Sie vertrauten nämlich nicht so ganz auf die brasilianische Organisation. "Dort war so einiges improvisiert", erzählt der 18-jährige Lukas. Ein Beispiel: Die Holzstäbchen, die als Hindernisse im Labyrinth lagen, wurden noch kurz vor dem Wettbewerb aus einem Restaurant besorgt. Da die Ergebnisliste als "vorläufig" deklariert war, warteten die beiden also lieber die Siegerehrung ab.

Dass Daniel Busse mal auf dem Podest einer Roboter-WM stehen würde, hätten sich seine Eltern im Prinzip schon denken können, als er noch Milchzähne hatte. Mit neun programmierte er seinen ersten NXT-Lego-Roboter, auf das Siemens-Gymnasium wollte er nur wegen der Arbeitsgemeinschaft Technik. Lukas hingegen ist quasi ein Quereinsteiger. Er begann im Grundschulalter, Strategiespiele für den Computer zu programmieren - weil ihm das reine Spielen zu langweilig war (Wer kennt das nicht?). Erst vor zwei Jahren sattelte er um auf Roboter.

2013 schlossen sich Daniel und Lukas zusammen zum Team DaLu. Lukas Hoyer war damals gerade mit einem anderen Partner Weltmeister geworden, der war nun zu alt für die Schüler-Liga. Mit Unterstützung von zwei Lehrern entwickelte die neue Mannschaft das alte Siegermodell weiter.

Die neue Version, Rotec IV, weist allerhand technische Feinheiten auf. Da wären zum Beispiel die Mecanum-Räder: Jedes besteht aus einzelnen Rollen, sodass es nicht nur nach vorn und nach hinten, sondern auch zur Seite rollen kann. Dazu kommen jede Menge Sensoren: Die einen erkennen den Abstand zur Wand, die anderen messen die Temperatur der simulierten Opfer; es gibt sogar Sensoren, welche die Helligkeit des Bodens erkennen - das ist wichtig, weil man im Labyrinth schwarze Flächen meiden muss. Etwa 2000 Euro hat das Team in Rotec IV investiert. Sie kommen von Sponsoren und werden vom Förderverein der Schule verwaltet.

Neben Geld steckt in dem Roboter vor allem Zeit - für die Planung am Computer, das Zusammenbauen und die Programmierung. Vor jedem Wettbewerb justieren die beiden nach. "Im Endeffekt sitzen wir fast jeden Tag daran", erzählt Lukas Hoyer. Trotzdem nehmen die beiden von irgendwoher noch Zeit für weitere Hobbys. Lukas spielt nebenbei dreimal pro Woche Klavier. Daniel gibt sich die volle Dröhnung Naturwissenschaften: Er bereitet sich in seiner Freizeit auf die Chemie- und die Physik-Olympiade vor. Ach ja, und auf die in Mathe und in Wirtschaft.

Mit ihrem WM-Erfolg machen die Technik-Teenies nicht nur Eltern und Lehrer stolz, sondern auch den Chef-Organisator des deutschen Vorausscheids, der RoboCup German Open. Denn Ansgar Bredenfeld lebt selbst in Sachsen-Anhalt. Er hat sich auch dafür eingesetzt, dass der Wettbewerb seit fünf Jahren in Magdeburg veranstaltet wird. Und so kommen jedes Frühjahr Hunderte Teams in die Landeshauptstadt. Neben Schulmannschaften sind auch Studenten und Wissenschaftler dabei. Denn die German Open sind nicht nur WM-Qualifikation für die Unter-21-Jährigen, sondern auch eine Art Freundschaftsspiel für Ältere.

Apropos Freundschaft: Die Brasilianer scheinen uns Deutschen nach ihrer Schmach beim Halbfinale übrigens nicht mehr böse zu sein. Lukas und Daniel haben zumindest von den Einheimischen in Joao Passao nur freundliche Worte gehört. "Jeder, der mitbekam, dass wir Deutsche sind, hat uns zum Fußball-Titel gratuliert", erzählt Lukas. Zum Glück mussten die Zwei bei der Roboter-WM kein Öl ins Feuer gießen. Unter den besten vier Teams gab es nämlich keine Brasilianer.

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