Magdeburg l In der Landesverwaltung stieg die Quote von Frauen in Führungspositionen binnen eines Jahres von 31 auf 32 Prozent. Aber nur, weil im Zuge des Personalabbaus nicht alle freien Leitungspositionen neu besetzt wurden.

"Das ist ein mittelfristiger Prozess. Die Entwicklung zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind", sagte Angela Kolb (SPD), Ministerin für Justiz und Gleichstellung, der Volksstimme. Der geringe Frauenanteil habe strukturelle Ursachen. Seit etwa zwei Jahren versuche die Landeregierung, Frauen durch Mentoring- und Coaching-Programme auf Leitungsjobs vorzubereiten. Zudem sei die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie, etwa durch Heimarbeit, verbessert worden.

Um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, müsse zudem da angesetzt werden, wo sich Karrierewege entscheiden. "Also weit bevor es darum geht, wer die vakante Behördenleitung übernimmt. Wenn zum Beispiel Fortbildungen angeboten werden, wenn es um Erprobungen in Obergerichten oder im Ministerium geht: Da müssen wir Frauen ermutigen, dabei zu sein, damit sie sich später mit Erfolg um Führungspositionen bewerben können", erklärte Kolb.

Dass das Ziel, 40 Prozent der Führungspositionen in der Verwaltung mit Frauen zu besetzten, bis 2016 erreicht werde, versprach die Ministerin aber nicht.

"Das ist mehr ein Quötchen als eine Quote"

Die Opposition zweifelt. "Wir merken jetzt, was wir in den vergangenen Jahren verpasst haben. Die Landesregierung wird die 40-Prozent-Quote in der Landesverwaltung bis zum Ende ihrer Regierungszeit nicht erfüllen können", sagte die Frauenpolitik-Expertin der Linkspartei, Eva von Angern.

Auch in Berlin ist erneut Streit um die geplante Frauenquote der Regierung entbrannt. Für die Aufsichtsräte von börsennotierten Unternehmen soll ab 2016 eine Quote von mindestens 30 Prozent gelten. "Das ist mehr ein Quötchen als eine Quote", kritisierte Sebastian Striegel, Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im Landtag.

Die Bundestagsfraktion der Grünen schaltete sich unterdessen mit einem eigenen Entwurf ein, der deutlich über den Vorschlag der Regierung hinausgeht. Ab 2016 soll die Frauenquote von 40 Prozent für alle Neubesetzungen in Aufsichtsräten gelten. Ab 2018 soll die Quote dann für alle Aufsichtsratsmitglieder gelten.

In den Chefetagen deutscher Unternehmen haben vorwiegend Männer das Sagen: Frauen stellten 2012 nur 29 Prozent der Führungskräfte. Vor 20 Jahren waren es 26 Prozent. Diese Daten nannte das Statistische Bundesamt in Berlin. Die Gleichstellung von Mann und Frau schreite nur mühsam voran, erklärten die Forscher.

Dabei haben Frauen in Sachen Bildung aufgeholt. Mit 54 Prozent streben heute mehr Mädchen als Jungen das Abi-tur an. Ein Studium beginnen genauso viele Frauen wie Männer. Mit steigendem Qualifikationsniveau nimmt allerdings der Frauenanteil wieder ab: 45 Prozent der 2012 vergebenen Doktortitel gingen an Frauen. Unter Professoren stellen die Frauen einen Anteil von 20 Prozent.

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