Jerchel/Lindstedt l In der Vorwoche war Landwirt Uwe Jacobs aus Lindstedt noch euphorisch beim Blick auf die Getreidefelder der Jacobs/Mertens GbR. Doch diese Euphorie sei ihm und seinem Geschäftspartner Burkhard Mertens aus Lindstedterhorst innerhalb der vergangenen Woche verloren gegangen, berichtet der Geschäftsführer. Denn von dem auf rund 100 Hektar angebauten Getreide waren bis zum Einsetzen des Regenwetters lediglich 30 Hektar geerntet. "Hätten Sie mich vor einer Woche gefragt, ich hätte etwas viel Positiveres sagen können. So jedoch liegt viel Getreide am Boden im Wasser", erklärt Uwe Jacobs.

Was an Roggen und Weizen bis zum vergangenen Freitag, als der Starkregen einsetzte, von den Schlägen geerntet worden ist, habe ein gute Qualität gehabt, berichtet Jacobs weiter. Sowieso hatten die Geschäftsführer der GbR zuversichtlich auf den zu erwartenden Ertrag geschaut. "Das sah im Vorfeld sehr gut aus", bestätigt Uwe Jacobs. Da sich nun aber die schweren, reifen Ähren dem Boden zuneigen, komme es darauf an, ob der Mähdrescher sie noch aufnehmen könne. Und selbst wenn, dann hat die Qualität der Körner auf jeden Fall gelitten, erklärt der Landwirt. "Roggen und Weizen verlieren an Backqualität. Und ich denke, so wie bei uns, wird es auch in anderen Betrieben aussehen."

"Warten auf gutes Wetter, heißt es jetzt."
- Landwirt Uwe Jacobs

Was dem Getreide auf dem Halm quasi das Genick gebrochen hat, das hat dem Mais wiederum sehr gut getan. Auf rund 100 Hektar Fläche steht er jetzt wesentlich kräftiger als zuvor. Dennoch wünschen sich Mertens und Jacobs für die kommenden Tage Sonne und Wind, um die Feuchtigkeit aus den Körnern und vom Acker zu bekommen. "Warten auf gutes Wetter, heißt es jetzt", betont Uwe Jacobs.

Ganz genau so lauten die Worte von Landwirt Friedrich Wilhelm Giggel aus Jerchel. "Wenn es jetzt so bleibt, dann könnten wir übermorgen schon weiter dreschen. Zwei bis drei Tage Sonne und Wind - mehr brauchen wir nicht", blickt Giggel am Donnerstagnachmittag recht zuversichtlich voraus.

Auf den 1000 Hektar der Landwirts GbR Jerchel werden zirka 160 Hektar Mais, 80 Hektar Raps, 170 Hektar Roggen, 30 Hektar Gerste sowie 30 Hektar Weizen angebaut. "Der Raps ist seit zehn Tagen runter, und wir haben mit einem Ertrag von 30 Dezitonnen je Hektar ein für unseren Standort sehr gutes Ergebnis eingefahren", zählt Giggel auf. Die Gerste ist komplett abgeerntet und hat mit 45 Doppelzentnern je Hektar auch einen zufriedenstellenden Ertrag gebracht.

Vom Roggen allerdings sei erst die Hälfte der angebauten Fläche gedroschen. Giggel schätzt den Ertrag auf 55 bis 60 Doppelzentner. Lediglich der Weizen stehe noch komplett auf dem Halm. "Größtenteils steht er jedenfalls noch", so Friedrich Wilhelm Giggel. "Stellenweise liegt er am feuchten Boden. Darunter leidet natürlich die Qualität." Sicher seien durch den Starkregen Verluste da, bestätigt Giggel. Aber es sei ja kein so ungewöhnliches Wetter gewesen. Zudem seien Qualität und Quantität der bisherigen Ernteerträge gut ausgefallen. "Was allerdings zu sagen ist, dass die Preise während der Ernte von Raps und Getreide gefallen sind. Und so viele Vorverträge, um sich gute Preise zu sichern, kann man nicht machen", erklärt er weiter.

Nahezu pausenlos klingelt gestern Nachmittag bei Axel Schulze bei der Getreidewirtschaft in Gardelegen das Telefon. Die Landwirte geben ihm die gemessenen Feuchtigkeitswerte der Ähren durch. "Warte noch drei bis vier Stunden. Dann sieht es schon besser aus", muss er auch einem Landwirt aus Letzlingen sagen, dessen Körner Schulze gerade frisch geschrotet und den Feuchtegehalt geprüft hat. Sonne und Wind - so wie von den Landwirten erhofft, trocknen das reife Korn recht schnell, erklärt Axel Schulze.

"Tut in der Seele weh, das Korn so zu sehen."
- Annegret Jacobs, Geschäftsführerin Bauernverband Salzwedel

Mit den Landwirten fühlt die Geschäftsführerin des Bauernverbandes Salzwedel, Annegret Jacobs. "Wir sind ja ganz froh, dass heute (Donnerstag, 31.7) schon mal die Sonne scheint", erzählte sie auf Nachfrage der Volksstimme. Die zurückliegenden Tage seit Freitag, 25. Juli, nennt sie "eine unsägliche Zeit". "Es tut doch jedem Landwirt in der Seele weh, das Stroh und die Ähren liegen zu sehen und nicht ernten zu können. Wir wollen doch alle die Früchte unserer Arbeit nach Hause bringen" drückt sie sich anschaulich aus. Dass nicht alle Bauern es geschafft hätten, den Raps noch vor dem Regen einzubringen, ist Annegret Jacobs bei ihren Fahrten über Land aufgefallen. "Dort besteht jetzt die Gefahr, dass die Schoten aufplatzen", erklärt sie.

Aber immerhin seien die Landwirte das Arbeiten in und mit der Natur gewohnt. "Wir können damit umgehen."

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