Halle (dpa) l Der 6. Juni 1980 ist ein heißer Tag. Bäuerin Brigitte Schlenker läuft der Schweiß herunter, als sie auf einem Feld zwischen Nelben und Zellewitz im heutigen Salzlandkreis Rüben hackt. In der DDR war das eine mühselige Arbeit. Plötzlich stößt ihre Hacke in der staubtrocknen Erde auf etwas ungewöhnlich Hartes. Schlenker bückt sich und hält ein merkwürdiges, verbogenes, längliches Stück Metall in der Hand.

Dass der ungewöhnliche Fund nicht zusammen mit allen Steinen, die sonst beim Hacken aus dem Boden kamen, an den Wegrand flog, lag nur an einer Kleinigkeit: Es gab einen Griff. Brigitte Schlenker nimmt das gute Stück mit nach Hause. Die Familie staunt, denn beim näheren Betrachten sieht das Fundstück nach einem verbogenen Schwert aus. Aber aus welcher Zeit? Die Bäuerin gibt die rätselhafte Waffe im Museum ab. "Die haben mich zunächst nicht mal nach meinem Namen gefragt", erinnert sie sich.

Heute ist Brigitte Schlenker 84 - und die Zeiten haben sich geändert. Das 57 Zentimeter lange Schwert ist in Fachkreisen eine kleine Sensation, die nun noch einmal untersucht werden soll. "Wir gehen davon aus, dass die Schwertklinge 3200 Jahre alt ist, aber der Griff mit etwa 2850 Jahren etwas jünger und somit nachträglich angebracht wurde", sagt Al-fred Reichenberger, Archäologe im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. "Es wird neue Untersuchungen geben. Dabei soll das Stück auch geröntgt werden." Auch Brigitte Schlenker hat ihren Fund nach 34 Jahren noch einmal in den Händen gehalten - im Museum. "Ich habe es gleich wiedererkannt", sagt sie. Der Schwertgriff mit Doppelwulst und einer ovalen Durchbrechung in der Griffmitte ist ein Unikat, aber es gibt ähnliche Funde, die eine zeitliche Einordnung ermöglichen.

Aufgrund der Materialbeschaffenheit war das Schwert auf jeden Fall nicht zum Kampf zu gebrauchen, sondern hatte nur symbolischen Wert. Vermutlich wurde es als Kultgegenstand extra angefertigt und in einer sakralen Handlung als Opfer an die Götter vergraben, vermuten Archäologen.

Berühmtester Fund in Sachsen-Anhalt ist der 3600 Jahre alte Bronzeschatz mit der Himmelsscheibe von Nebra. Neben der Scheibe wurden auf dem Mittelberg bei Nebra Bronzespiralen, Beile, Meißel und zwei Schwerter für die Götter vergraben. 1999 fanden Raubgräber den Schatz und versuchten, ihn illegal zu verkaufen. Erst im Jahr 2002 konnten die Stücke in der Schweiz von der Polizei bei einer fingierten Verkaufsaktion sichergestellt werden. Seit 2008 ist der Schatz in der Dauerausstellung des Landesmuseums Halle zu sehen.

"Dass das Schwert damals von Frau Schlenker im Museum abgeben wurde und nicht in der Schrankwand zu Hause blieb, zeugt von einem guten Bürgersinn", sagt Landesarchäologe Harald Meller. Nach Abschluss der Untersuchungen wird die Waffe Ende 2015 in der Sonderausstellung "Archäologie des Krieges" erstmals der Öffentlichkeit gezeigt.