Magdeburg l Mitten in der trostlosen Industriebrache im Magdeburger Stadtteil Buckau hat Phillipp Müller Büroräume bezogen und eine Werkstatt eingerichtet. Auf dem Hinterhof, an dem verfallende Fabrikhallen als Zeugnisse des wirtschaftlichen Niedergangs angrenzen, stehen nun fast täglich Autos, die mit ihren mehr als 300 PS bis zu drei Millionen Euro kosten.

"Bei uns können sich Autoliebhaber ihre Träume mieten", erzählt der 26-jährige Müller. Den Porsche 911 bietet der Jungunternehmer ab 89 Euro an, den Ferrari 458 gibt es ab 499 Euro. Und das Geschäft läuft: "Wir haben mehr als 1000 Stammkunden, die von Sportwagen fasziniert sind." Als der gebürtige Magdeburger vor fünf Jahren seine Firma gründete, wollte er das Mietgeschäft eigentlich nur nebenbei betreiben.

"Zu uns kommen Studenten, die das ganze Jahr über sparen."

Doch das große Interesse an Luxus für relativ kleines Geld hat Müller umdenken lassen: "Ich habe vom Vollzeit-Studium auf ein berufsbegleitendes Studium umgesattelt, um mehr Zeit fürs Geschäft zu haben", erzählt er. Mit Krediten seiner Hausbank und Landesbürgschaften habe er fortan lieber den Luxus-Fuhrpark vergrößert.

Müllers Kundschaft ist bunt: "Zu uns kommen Studenten, die das ganze Jahr über sparen, um die Tagesmiete für den Ferrari zu berappen", erzählt er. "Es gibt aber auch ältere Menschen, die sich noch mal einen großen Traum erfüllen wollen, bevor sie das Autofahren dann früher oder später ganz sein lassen." Für ordentliche Umsätze sorgen außerdem Kunden, die die Sportwagen gleich mehrere Monate mieten: "Geschäftsleute leihen sich die Wagen gerne aus, um mit ihnen vor ihren Kunden zu glänzen", so Müller.

Besonders gefragt sind allerdings nicht die Klassiker von Porsche oder Lamborghini, sondern die Modelle von Audi. "Vom Audi R8 haben wir uns gleich acht Stück angeschafft - Audi hat sich in den vergangenen Jahren unter den Fans einen sehr guten Ruf erarbeitet", berichtet Müller. Für viele Kunden sei aber auch die Alltagstauglichkeit entscheidend - und da hat ein tiefergelegter Ferrari mit tiefen Schlaglöchern auf der Straße eben größere Probleme als ein Audi R8. Mittlerweile macht Müller mit Motion Drive einen Umsatz von rund 600000 Euro und beschäftigt 18 Mitarbeiter. Einer von ihnen ist Marketing-Chef Martin-Thomas Wachter.

"Es setzen sich auch viele Frauen hinter das Steuer."

Der 29-Jährige hat Kommunikations-Management studiert und will in den kommenden Jahren vor allem das Firmenkunden-Geschäft ausbauen. "Wir bieten schon jetzt Sportwagen-Events auf Rennstrecken an, die Firmen ihren verdienten Mitarbeitern als Belohnung schenken können", erklärt Wachter. Unter anderem hätten bereits die Deutsche Telekom und der Öl-Konzern Shell die sogenannten "Incentive-Angebote" genutzt.

Günstig ist so ein Tag auf dem Nürburgring oder Lausitzring nicht gerade: 5000 bis 10000 Euro muss ein Unternehmen pro Mitarbeiter zahlen, wenn dieser sich mal so richtig im Ferrari austoben soll. "Dafür übernehmen wir aber auch den kompletten Service", betont Wachter.

Und er verrät: Es sind nicht immer nur die Männer, die mit 360 Kilometern pro Stunde über die Piste flitzen wollen. "Gerade bei den Rennstrecken-Events setzen sich auch viele Frauen hinter das Steuer." Die hätten die Wagen zumeist sogar besser im Griff als ihre männlichen Pendants, würden auch grundsätzlich sicherer fahren.

"Luxus wird unabhängig von der Wirtschaftslage nachgefragt."

Bis 2020 will Wachter die Firma zum europaweiten Marktführer für Sportwagen-Events weiterentwickeln. Aber auch das Geschäft mit Einzelvermietungen soll weiter bestehen. Mittlerweile können Liebhaber die Luxus-Sportwagen von Motion Drive nicht etwa nur in Magdeburg, sondern auch in Berlin, München, Hamburg und einigen weiteren Städten buchen. "Wir haben überall Stellplätze und Mitarbeiter." Firmen-Chef Phillipp Müller glaubt, dass sich immer Kunden finden lassen, die das Geld für die Wagen ausgeben. "Luxus wird unabhängig von der Wirtschaftslage nachgefragt." Leichte Schwankungen im Geschäft gebe es eigentlich nur durch die Jahreszeiten. "Es ist nun mal schöner, im Sommer mit einem Ferrari durch die Gegend zu fahren als bei Glatteis im Winter."

Da das Wetter in diesen Wochen mitspielt, können sich die Sportwagenliebhaber auch schon auf ein neues Highlight freuen: "Wir erweitern mit Hilfe eines Kooperationspartners unseren Fuhrpark um einen Bugatti Veyron Grand Sport Vitesse", kündigt Firmen-Chef Müller an. Von dem Wagen wurden bislang nur 30 Stück weltweit ausgeliefert. Gewöhnlicher Listenpreis: 2,6 Millionen Euro.

 

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