Zerbst (dpa) l Die Stute Klarina lässt keinen Blick von dem schwarzen Wollknäuel mit den Kulleraugen. Ihr erst drei Tage altes Alkapa tollt über die saftig grünen Weiden des Hofes "Zwei Eichen" in Zernitz bei Zerbst. Nicht nur seine Mutter, auch die Besitzerin des Hofes, Heidi Rühlich, ist sehr stolz. "Nachwuchs ist immer etwas Besonderes", sagt sie. Seit 2004 züchtet sie die aus Südamerika stammenden Tiere und ist Vizepräsidentin des "Alpaka- und Lamazuchtverbands Mitteldeutschland". 2003 gegründet, hat er 106 Mitglieder aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg mit mehr als 1300 Alpakas und 172 Lamas.

Auf dem Hof "Zwei Eichen" grasen etwa 30 Alpakas. Neben Jungtieren und Stuten auch die Bullen Micho, Bambu, der direkt aus Chile kam, Marcel und Pipo. "Das sind echte Machos", sagt Frau Rühlich. Jeder wolle das schönste und stärkste Tier sein. Alpakas würden in ihrer Heimat Chile und Peru und auch hierzulande vor allem wegen ihrer Wolle gehalten. Diese sei feiner und robuster als Kaschmir und habe dazu noch einen besonderen Glanz. Zwei bis fünf Kilogramm Wolle gebe ein Alpaka pro Jahr her, in der Zeit von Mai bis Juli würden die Tiere geschoren. Aus der gewonnenen Wolle könnten Strickgarne, aber auch Bettfüllungen und sogar Dünger hergestellt werden, sagt Rühlich. "Die meisten Mitglieder des Verbandes halten Alkapas als Hobby", sagt die Vizepräsidentin. Die Tiere eigneten sich auch vorzüglich als Therapeuten besonders bei Kindern, das habe die Praxis schon gezeigt. Die Tiere seien klug und zutraulich. Außerdem hätten sie durch ihren Wuchs dieselbe Höhe wie Kinder und hörten sich alles geduldig an. Nicht umsonst würden die Tiere als "Delphine der Weiden" bezeichnet. Alpakas könnten durchaus eine Marktnische für Bauern sein, sagte Katharina Elwert, Hauptgeschäftsführerin des Landebauernverbandes Sachsen-Anhalt in Magdeburg. Das betreffe sowohl die Erzeugung von Wolle als auch als Angebot für touristische Zwecke.

Viel Erfahrung und Sachkunde seien nötig, um Alpakas sachgerecht zu halten, sagte eine Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes in Bonn. Das betreffe sowohl die Unterbringung und Fütterung als auch die Ausbildung der Tiere, die äußerst zeitintensiv sei.

Diese Zeit nehmen sich die Mitglieder des Verbandes. So gibt es Seminare, Lehrgänge, Ausstellungen und Tierschauen, bei denen sie ihre Erfahrungen austauschen. Sogar in der Heimat der Alpakas holten sie sich schon Fachwissen - bei Studienreisen nach Peru.