Magdeburg l Der Zauber war ganz plötzlich da. Eigentlich wollte René Neumann von der Astronomischen Gesellschaft Magdeburg an dem Abend des letzten Juniwochenendes Zeitrafferaufnahmen von Windrädern im Bereich Borne (Salzlandkreis) machen, als er etwas ganz anderes vor die Kamera bekam. Leuchtende Nachtwolken tauchten auf einmal über dem Horizont auf. So farbenfroh und hell, dass man im Licht der Wolke hätte Zeitung lesen können, berichtet Neumann fasziniert. "Ich habe noch nie solch helle Nachtwolken gesehen", erzählt er noch Wochen später begeistert. Und es war keine Fata Morgana, kein Sommermärchen anno 2014 -die bunten Nachtwolken sind ein typisches Schönwetterphänomen. In diesem Sommer ist es besonders gut und häufig zu sehen, weiß Daniel Arndt, Vorsitzender der Astronomischen Gesellschaft Magdeburg, zu berichten. Das bunte Farbspiel mit den Schleierwolken am Nachthimmel verdanken wir tatsächlich namentlich den "Leuchtenden Nachtwolken" (engl.: noctilucent clouds).

Im Gegensatz zu anderen Wolkenarten, die maximal eine Höhe von 13 Kilometern erreichen, treten die Leuchtenden Nachtwolken in einer Höhe von 83 Kilometern auf. "Man kann sie in der späten Abenddämmerung und bis gut eine Stunde nach Sonnenuntergang sehen", erklärt Daniel Arndt. Die Sonne steht dann zwischen 6 und 16 Grad unter dem Horizont. "Hoch oben in der Atmosphäre werden die Wolken noch von ihr angestahlt, während der Himmel sonst bereits dunkel ist", so Arndt. Für uns ergibt sich damit ein zauberhaftes Farbenspiel der Wolken bei Nacht. Auch in der Stadt bestehen gute Chancen, dieses zu sehen. "Statt der hell erleuchteten City sollte man sich aber einen abgedunkelten Bereich, etwa in einer Gartenkolonie, suchen", so Arndt weiter. Wer zum nordwestlichen bis nordöstlichen Horizont schaut, kann das farbige Wolkenspektakel mit etwas Glück bewundern.

Zeit für viele Wünsche

Das ist aber längst nicht alles, was es am Sommernachtshimmel zu entdecken gibt. Es ist Sternschnuppenzeit, und gerade in den nächsten Tagen wird das kosmische Feuerwerk häufiger zu sehen sein, kündigt Hobbyastronom Daniel Arndt an. Die Perseiden (ein Meteorstrom) lassen am 12. August die ganze Nacht über Sternschnuppen auf die Erde regnen. Wer einen guten dunklen Beobachtungsort wählt, kann bis zu 100 Stück in der Stunde sehen. "Es sich draußen im Liegestuhl mit Decke gemütlich zu machen, lohnt sich", meint Arndt. Auch einen Tag vor und nach dem 12. August kann man in Richtung Nord-Ost zahlreiche Meteore beobachten. "Das sind wirklich viele in kurzer Zeit. Wer daran glaubt, dass mit den Sternschnuppen Wünsche in Erfüllung gehen, hat damit allerbeste Chancen", sagt der Vereinschef. Arndts persönliche Lieblinge sind allerdings die Geminiden, jene Sternschnuppen, die im Winter zwischen dem 4. und 17. Dezember über den Nachthimmel ziehen. Es sind helle und langsame Sternschnuppen mit schöner Farbe. "In einer klaren Winternacht, gut eingepackt und mit einem Glühwein, ist das ein Genuss, der zum Träumen und Wünschen einlädt", findet Arndt. So gilt am Ende: Für Magdeburger Sternengucker gibt es immer etwas zu entdecken.

 

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