Magdeburg l In den Plattenbau am Westring wird zum 1. Oktober kein Asylbewerberheim einziehen. Sozialbeigeordneter Hans-Werner Brüning (Linke) wurde von Bürgermeister Rüdiger Koch (SPD) beauftragt, Alternativstandorte zu suchen.

Grund für diese Entscheidung sind Berichte in der Volksstimme über den Zustand der Immobilie und den Umstand, dass dort noch Menschen leben. "Fest steht, dass eine Nutzung des Gebäudes nur in Frage kommen würde, wenn es komplett unbewohnt ist", sagte Stadtsprecher Michael Reif auf Nachfrage. Die vom Sozialbeigeordneten eingebrachte Beschlussvorlage zur bislang geplanten Unterbringung im Westring basierte in soweit auf unzureichenden Informationen und Sachständen, so Reif weiter. Es werde aber weiterhin geprüft, ob ein späterer Einzug in das Haus möglich und sinnvoll wäre.

Denn Magdeburg muss mehr Platz für Asylbewerber schaffen. Der Plattenbau am Westring mit ungefähr 50 Wohnungen sollte ab 1. Oktober einer der neuen Standorte sein. Die Landeshauptstadt wollte die Immobilie nach Sanierung von der Leipziger Eigentümerin mieten.

Dass in dem Haus noch Leute wohnen und das seit Jahren unter katastrophalen Zuständen, war angeblich nicht bekannt. Recherchen hatten ergeben, dass es in dem Haus kein fließendes Wasser gibt, die Haustechnik defekt ist, die Heizung nicht funktioniert. Die Treppenhäuser sind zugemüllt, vor dem Haus liegt Unrat, Türen sind eingetreten. Ein Großteil der verbliebenen Bewohner sind Hartz-IV-Empfänger, deren Miete vom Jobcenter bezahlt wird. Mehrere Personen gaben gegenüber der Volksstimme an, die Mietzahlungen aufgrund der Zustände teilweise oder vollständig eingestellt zu haben.

Ein Kontaktversuch mit der Leipziger Eigentümerin scheiterte. Man rede nicht mit der Presse, gab es als Antwort. Bis heute hat die Volksstimme den versprochenen Rückruf nicht erhalten. Die Bewohner gaben an, dass auch auf ihre Anfragen nicht reagiert worden sei.

Unterdessen ist auch unklar, wer Verwalter des Hauses ist. Während die Stadt sagt, dass ihr gegenüber das Magdeburger Immobilienbüro Onnen Onnen angegeben habe, Verwalter zu sein, bestreitet Architekt Rolf Onnen das. Weitere Aussagen gegenüber der Presse lehnte auch er ab. Zu einem früheren Zeitpunkt hatte er angegeben, als Vermittler zwischen Stadt und Leipziger Eigentümerin aufzutreten.

Unklar ist auch, wie es mit dem Bewohnern des Westrings weitergeht. Heftige Kritik kommt nun vom Mieterverein Magdeburg. "So dunkel kann es am Westring nicht gewesen sein, dass niemand gesehen hat, dass dort noch Menschen wohnen", sagte Geschäftsführerin Sigrid Kubica. Die Frage sei nun, ob der Eigentümer das Haus wissentlich hat verkommen lassen. Er habe eine Instandsetzungs- und Instandhaltungspflicht. "Hält er diese nicht ein, muss das Bauordnungsamt aktiv werden", so Kubica weiter. "Wenn die Stadt das Haus jetzt mietet, wäre das für die Eigentümerin das Geschäft ihres Lebens", erläuterte Kubica.

Am Mittwoch hatten Mitarbeiter des Gesundheits- und Veterinäramtes, des Sozialamtes und des kommunalen Gebäudemanagements die Zustände erneut unter die Lupe genommen. "Eine Gefahr für die Allgemeinheit geht von dem Haus nicht aus", sagte Amtsarzt Eike Hennig. Es liege noch kein Schädlingsbefall vor. Es liege auch keine akute Fremd- oder Eigengefährdung vor. Deshalb könne das Gesundheitsamt auch nicht aktiv werden.