Das Problem "Betonkrebs" in Sachsen-Anhalt

Die Alkali-Kieselsäure-Reaktion (kurz AKR), umgangssprachlich auch Betonkrebs, ist die Bezeichnung für eine chemische Reaktion im Beton, die für dessen Auflösung sorgt.

80 Prozent der Autobahnen in Sachsen-Anhalt sind aus Beton. Von diesen 765 Kilometern sind 220 Kilometer nachweislich von AKR betroffen.

Schwerpunkte sind die gesamte A9, die A14 zwischen Halle und Bernburg und die A38 zwischen Halle-Süd und Landesgrenze Sachsen.

Kosten: In diesem Jahr sind knapp 20 Millionen Euro für die Sanierung eingeplant. Nächstes Jahr sind es 14,6 Millionen, 2016 bereits 30, 2017 rund 43 und 2018 rund 23 Millionen Euro.

Magdeburg l Mit den hochsommerlichen Temperaturen am Wochenende könnte auch die Gefahr von sogenannten "Blow ups" auf einigen Beton-Autobahnen wieder steigen. Vor allem langer Sonnenschein und Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius führen dazu, dass sich der Beton ausdehnt.

Für "gesunde" Streckenabschnitte sollte dies kein Problem sein. Wenn aber Betonfahrbahnen wegen der Alkali-Kieselsäure-Reaktion (AKR), so der korrekte Begriff für Betonkrebs, mit Asphalt geflickt wurden, kann es zum gefürchteten Hochdrücken der Betonplatten kommen.

So geschehen im Juni und Juli gleich zweimal auf der A9 bei Bad Dürrenberg sowie auf der A14 bei Plötzkau. Ähnliche Schäden traten auch im vergangenen Jahr an den beiden Autobahnen auf.

"Wir haben die Wahl zwischen der Komplettsanierung und der Fahrbahnversiegelung, um ein Fortschreiten der Zerstörung zumindest zu bremsen", sagt Uwe Langkammer, Präsident der Landesstraßenbaubehörde. Dieses "Versiegeln" mit Asphalt als Notreparatur erfolgte in den vergangenen fünf Jahren bereits auf rund 141 Kilometern Richtungsfahrbahn.

"Damit kann man das Versagen des Betons wenigstens um drei bis sechs Jahre hinausschieben", so Peter Mennicke vom Landesverkehrsministerium. Im gleichen Zeitraum konnten 28 Kilometer von Betonkrebs betroffene Fahrbahn saniert werden. Allein in diesem Jahr werden knapp 20 Millionen Euro für die endgültige Beseitigung des Betonkrebses ausgegeben. Für die nächsten vier Jahre sind mehr als 110 Millionen Euro eingeplant.

Damit droht in Sachsen-Anhalt auch weiterhin bei Sommerhitze ein Totalausfall der betroffenen Betonfahrbahnen, obwohl diese im Vergleich zu südlichen Bundesländern wie Bayern recht neu sind. Dort sorgt eine andere Ursache für das plötzliche Anheben der Fahrbahn. Die vor den 90er Jahren gebauten Betonpisten haben als Standard nur eine Dicke von 20 Zentimetern, inzwischen liegt diese aber bei fast 30 Zentimetern.

Ständige Kontrolle der gefährlichen Stellen

Auf der A93 bei Abensberg in Bayern war im vergangenen Sommer eine solche aufgeplatzte Fahrbahn für einen Motorradfahrer zur Todesfalle geworden. Wegen der Gefahr seien in Sachsen-Anhalt auch regelmäßig die Autobahnmeistereien unterwegs, um die Stellen zu kontrollieren.

Langkammer: "Erledigen wird sich das Problem erst, wenn die Strecken alle ordentlich saniert sind." Und das kann dauern. Von den 765 Kilometern Betonfahrbahn sind knapp 220 Kilometer nachweislich vom Betonkrebs betroffen.

Auf dem Millionenschaden bleibt der Steuerzahler sitzen. "Die Gewährleistungsfristen von fünf Jahren sind längst abgelaufen", so Mennicke.