Es ist eine der Geschichten, die immer wieder gern über den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) erzählt werden. Schröder, damals noch Vorsitzender der Jungsozialisten, soll wütend am Zaun des Kanzleramtes gerüttelt und gerufen haben: "Ich will hier rein!" Tatsächlich sollte es noch einige Jahre dauern, ehe der Niedersachse die Welt hinter dem Zaun kennenlernen durfte.

In den Vereinigten Staaten ist am Donnerstagabend eine ähnliche Sache ganz anders verlaufen. US-Präsident Barack Obama wollte in Washington gerade zur Nation sprechen, als ein Sicherheitsalarm im Weißen Haus losging. Auslöser war - ein kleines Kind. Der Junge hatte im wahrsten Sinne des Wortes eine Sicherheits-Lücke entdeckt. Er schlüpfte einfach zwischen Zaun-Stäben hindurch und rannte auf den Rasen vor dem Gebäude. Und das, obwohl das Weiße Haus als das bestgesicherte Gebäude der Welt gilt. Auf dem Dach hocken Scharfschützen, das ganze Anwesen wird mit Kameras und Sensoren überwacht. Und jetzt so etwas!

Der Alarm habe die Agenten des Secret Service "kurz in Aufregung versetzt", dann sei der Knirps seinen Eltern übergeben worden, teilte das Weiße Haus mit. Ein Sprecher des Secret Service scherzte: "Wir wollten eigentlich warten, bis er gelernt hat zu sprechen, um ihn zu befragen." Da schwang wohl auch ein bisschen Erleichterung mit. Denn wäre der "Zaunkönig" entwischt, hätten die Agenten Überstunden machen müssen. Schließlich verfügt das Anwesen über 132 Räume, 35 Badezimmer, acht Treppenhäuser ...Michael Bock