Rechtsrock-Konzerte im Land Sachsen-Anhalt

Laut Landesverfassungsschutz gib es mehr Rechtsrockkonzerte:
2010: 7 Konzerte, 8 Liederabende
2011: 12 Konzerte, 2 Liederabende
2012: 10 Konzerte, 10 Liederabende
2013: 15 Konzerte, 4 Liederabende

Bundesweit sank die Zahl der Konzerte im vergangenen Jahr von 82 auf 78.

Der Verein Miteinader führt in Sachsen-Anhalt eine eigene Statistik:
2011: 20 Konzerte
2012: 30 Konzerte
2013: 33 Konzerte

Magdeburg l Für viele Rechtsradikale aus Sachsen-Anhalt ist neben den Großkonzerten in Nienhagen im Harzkreis auch das alljährliche Musikfest "InBewegung" in Berga (Mansfeld-Südharz) eine der beliebtesten Pilgerstätten. Zu beiden Veranstaltungen kommen jährlich rund tausend Besucher.

In Berga sind im vergangenen Jahr auch verbotene Titel gespielt worden. Unter anderem soll "Ruhm und Ehre der Deutschen Wehrmacht" darunter gewesen sein. Die Polizeidirektion Süd versuchte in diesem Jahr im Vorfeld das als "Sommerfest" der NPD deklarierte Konzert mit einem Verbot zu verhindern. Doch sowohl das Verwaltungs- als auch später das Oberverwaltungsgericht in Magdeburg folgten den Argumenten des Veranstalters.

Dieser hat sich nun aber doch für das nur 19 Kilometer entfernte Sondershausen in Nordthüringen umentschieden. Polizeisprecher Reiner Stranz von der Landespolizeiinspektion Nordhausen: "Die Veranstaltung ist in einem Gewerbegebiet geplant." Es gebe auch eine Gegendemonstration. In Sachsen-Anhalt in Berga, Eilsleben und Nordhausen wurden weitere neun Gegenproteste angemeldet. "Sommerfest"-Anmelder Patrick Weber, Mitglied im Landesvorstand der NPD in Thüringen, hält aber an den Plänen fest.

In Gommern wurde Vertrag mit Rechtsextremem gekündigt

Zu seinem "Politischen Fest der Nationalen" sind bekannte Szene-Bands wie Art of Violance, Heiliges Reich, Lunikoff Verschwörung und andere Musik-Größen der Rechtsextremen angekündigt. Auch Nachwuchsbands durften sich für Auftritte bewerben, erklärt Hilmar Steffen vom Landesverfassungsschutz. Die rechtsradikale Szene-Musik soll hier offensichtlich als verbindendes Glied eingesetzt werden. Ein Erfolgsmodell, das in Sachsen-Anhalt besonders gut funktioniert. Während bundesweit die Zahlen solcher Konzerte eher rückläufig sind (siehe Kasten), stiegen sie in den vergangenen Jahren kontinuierlich an.

Im Landkreis Harz ist vor allem Oliver Malina als Konzertveranstalter aktiv. Im Süden des Landes trommelt der bekennende Neonazi Enrico Marx regelmäßig zu Konzerten die Rechten zusammen.

In Gommern im Jerichower Land gelang es, nach zwei Konzerten in der ersten Hälfte dieses Jahres auf einem Betriebsgelände künftig solche Veranstaltungen zu verhindern. Zum 31. Juli dieses Jahres habe der Vermieter des Gebäudes den Vertrag mit einem polizeibekannten Rechtsextremen gekündigt. Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch vom Revier Burg spricht von einem Erfolg: "Wir konnten auf den Landkreis und den Vermieter so einwirken, dass es zur Kündigung kam."

Nicht immer hat es die Polizei so einfach. Sie muss rechtsradikale, auf dem Index stehende Musik auch als solche erkennen. Seit März 2014 arbeiten zwei Spezialisten im Landeskriminalamt (LKA) in einer extra eingerichteten Zentralstelle zur Auswertung von Rechtsrock. Bisher haben die Beamten bereits Titel von sechs Konzerten untersucht. Eine Software zur Analyse wie im Nachbarland Sachsen werde in Sachsen-Anhalt aber nicht eingesetzt, so Lars Fischer vom LKA.