Ilsenburg l Mit Plessenburg, Scharfenstein und Ilsenburg sind gleich drei Nationalpark-Forstreviere durch das Unwetter am Abend des 26. Juli verwüstet worden. Auf einer Gesamtfläche von rund 2300 Hektar, berichtet Christian Lux. Er ist im Schutzgebiet für die Waldentwicklung verantwortlich.

Hochgerechnet seien innerhalb von anderthalb Stunden etwa 230 000 Kubikmeter Regen herniedergeprasselt. Das entspreche fast zwei Prozent des Speicherinhaltes der Eckertalsperre. Laut Harzwasserwerke als deren Betreiber liegt der im Vollstau bei 13,27 Millionen Kubikmeter.

Schuld an der Misere sei allerdings nicht die Ilse, sondern der Dauerguss am Freitag. Lux: "Der Boden hat nichts mehr aufnehmen können."

Hans-Henning Scheithauer führt das Forstrevier Scharfenstein seit 1990. In all den Jahren habe er so etwas noch nicht erlebt, sagt der Ilsenburger. Selbst die Hochwasser 1994 und 2002 seien weniger schlimm gewesen. Sogar auf dem am höchsten gelegenen Marholzberg hätten Keller unter Wasser gestanden.

Scheithauer weist auf den Berg an der Auffahrt zur Plessenburg. Dort sei das Wasser buchstäblich "direkt aus dem Hang geschossen". Der Höhenunterschied an dieser Stelle liege bei gut 200 Metern. Der Weg sei unter Geröll begraben, eine Buche derart unterspült worden, das sie umkippte. Bereits am Sonntag habe das große Aufräumen begonnen. Hans-Henning Scheithauer: "Wir waren mit Mann und Maus im Einsatz." Große Unterstützung hätten der Landesforstbetrieb mit seiner Wegebaubrigade und Mitarbeiter einer eigentlich für den Waldumbau engagierten Firma geleistet.

"Wegen der Nässe mussten wir abbrechen", erläutert Jörg Müller, Chef des Forstreviers Ilsenburg. Arbeiten wie das Aufbringen einer Verschleißschicht auf dem Ilsenburger Weg müssten deshalb verschoben werden. Müller hat aber noch ein anderes Problem. Er berichtet: "Die Leute krabbeln auf dem abgesperrten Gelände am Hang auf dem glitschigen Buchenlaub herum." Dies sei gefährlich.

Nationalpark-Sprecher Friedhart Knolle appelliert deshalb an die Besucher, die Schilder im Schutzgebiet unbedingt zu beachten. Dies sei schon aus versicherungstechnischer Sicht geboten.

Trotz der widrigen Umstände: Der deutsche Wandertag vom 13. bis zum 17. August kann auch im Nationalpark starten. Etwa 25 Kilometer Wege seien nach Angaben von Christian Lux durch den Jahrhundertregen mehr oder minder in Mitleidenschaft gezogen worden. Alle könnten wieder begangen werden. Manche allerdings noch provisorisch. Außerdem müsse damit gerechnet, die Nationalpark-Mitarbeiter mit schwerer Technik bei der Arbeit anzutreffen. Lux: "Dafür bitten wir um Verständnis."

Insgesamt, so bilanziert der Experte, belaufe sich der Schaden auf 600 000 bis 650 000 Euro. Mindestens.

 

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