Magdeburg l "Wenn man sich aber konform verhielt, passierte einem nichts" - dieser Satz einer Stendaler Lehrerin hat eine Debatte über den Umgang mit der DDR-Vergangenheit ausgelöst. Birgit Neumann-Becker geht davon aus, dass es noch immer viele Lehrer gibt, die dazu neigen, zu beschönigen. Die Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen in Sachsen-Anhalt forderte am Dienstag, dass sich gerade dienstältere Lehrer stärker mit der Vergangenheit auseinandersetzen sollten.

"Natürlich können wir keine Meinung verordnen", sagte Neumann-Becker, "aber Geschichtsunterricht über die DDR sollte wenigstens unterschiedliche Sichtweisen berücksichtigen." Und da hätten manche Lehrer "Schwierigkeiten" mit. Die Landesbeauftragte kündigte an, dass es im November wieder Lehrerfortbildungen geben soll. Sie will sich darüber hinaus um ein "Werkstattgespräch" zwischen Lehrern, Eltern und Politikern bemühen, das den Umgang mit der DDR-Vergangenheit im Unterricht thematisieren soll.

Ein ernstes Problem sieht Neumann-Becker in den Defiziten mancher Lehrer nicht. "Die Schüler leben heute in einer ganz anderen Welt und können dank moderner Medien über problematische Aussagen eigene Werturteile bilden." Ferner gebe es mittlerweile auch eine Reihe junger Lehrer, die mit der DDR-Vergangenheit anders umgehen, sowie eine Menge älterer Lehrer, die bereits zu DDR-Zeiten eine kritische Einstellung zum Regime gehabt hätten. Auch das würden die Schüler registrieren und einordnen.

Neumann-Becker erneuerte am Dienstag außerdem ihre Kritik an der weit verbreiteten DDR-Nostalgie. Es sei alles andere als lustig, wenn Nostalgiker in alten Uniformen aufmarschieren. "Hier sollten die Behörden das Versammlungsrecht ausschöpfen und derartige Veranstaltungen verbieten." In Deutschland gelte schon seit Jahren ein Verbot uniformierter Versammlungen. Ein Verbot von alten DDR-Symbolen wie NVA-Abzeichen leht Neumann-Becker aber ab. "Die Symbole zu verbieten, hat man nach der Wende verschlafen - jetzt würde man sie mit einem Verbot nur unnötig aufwerten."

Weiterhin groß ist die Nachfrage von Opfern des DDR-Regimes nach Akteneinsichten und Beratungen. Allein in der ersten Jahreshälfte 2014 kamen 685 Personen zu den Sprechtagen. Weitere 150 Besucher stellten außerdem Anträge auf strafrechtliche oder berufliche Rehabilitierung. "Die Anfragen auf Akteneinsichten und Beratungen lassen nicht nach", erklärte Neumann-Becker.

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