Magdeburg l Seit Mitte Juni wird das Dach des Zentralen Omnibusbahnhofes repariert. Das ist auch nötig. Ungefähr 120 rissige Scheiben müssen ausgetauscht werden. Bei ihrer Arbeit finden die Glaser teilweise außergewöhnliche Dinge.

Stück für Stück arbeiten sich die Glasexperten voran. "Wir schaffen am Tag drei Scheiben", sagt Tobias Liesche von der Glaserei Möhring. Er steht an einer Hubbühne an Bahnsteig 3. Über ihm hängt ein großes grünes Netz. Der Steig ist gesperrt. Auf dem Dach stehen seine beiden Kollegen und tauschen eine Glasscheibe aus. "Unsere Arbeit ist natürlich sehr wetterabhängig", sagt Liesche.

Nach mehr als 14 Jahren muss das Glasdach des Zentralen Omnibusbahnhofes (ZOB) erneuert werden. Mehr als 120 Scheiben haben Risse und werden ausgetauscht. Durchgeführt werden die Arbeiten von den Magdeburger Verkehrsbetrieben im Auftrag der Stadt. Ursprünglich war man von 60 Scheiben ausgegangen, die ausgewechselt werden müssen. Dass es nun doppelt so viele sind, liegt nicht nur am Verschleiß, sonder auch Unwettern und Vandalismus.

"Wir haben auf dem Dach sogar ein Fünf-Liter-Bierfass entdeckt", sagt Liesche. Neben Moos und Baumbewuchs fanden die Glaser auch Flaschen, Dosen, Steine und schwere Fahrradschlösser. "Geknackte", so Liesche. Dieses Wurfgut habe viele der Scheiben zusätzlich beschädigt.

Die Arbeiten haben am 16. Juni begonnen und werden laut MVB voraussichtlich bis September dieses Jahres dauern. Während der Instandsetzung müssen einzelne Bussteige zeitweise gesperrt werden. Davon betroffene Abfahrten sollen auf die anderen Bussteige verteilt werden. Erforderliche Fahrplanänderungen werden mittels Aushang bekanntgegeben.

Bei den Arbeiten werden nicht nur alle defekten Scheiben des Glasdaches ausgetauscht, die Haltevorrichtungen der Glasscheiben geprüft, gesäubert und bei Bedarf ersetzt. Außerdem wird die gesamte Dachkonstruktion grundhaft gereinigt. Das ist auch nötig. Zuletzt wurde das Dach im Winter begutachtet. Damals musste es von den Schneemassen befreit werden. Eine Reinigung müsste eigentlich jedes Jahr stattfinden, was beim ZOB aber nicht der Fall ist. Die Dachrinnen sollen völlig mit Moos verstopft gewesen sein, an manchen Stellen wuchsen gar schon Bäume. Auch das könnte ein Grund dafür sein, dass nun die Anzahl der kaputten Scheiben von vermuteten 60 auf 120 gestiegen ist.

Der schlechte Zustand des ZOB dürfte auch am finanziellen Engpass liegen. "Wir haben ein Konzept, aber wir haben auch ein Kostenproblem", hatte der Bau- und Verkehrsbeigeordnete Dieter Scheidemann zum Thema beim vergangenen Stadtrat gesagt. Weil sich der ZOB-Betrieb nicht rechnet, hatten die MVB den Betreibervertrag mit der Stadt im Vorjahr gekündigt und waren nur mit gutem Zureden zur befristeten Verlängerung (ein Jahr) zu bewegen.

Die Gnadenfrist läuft und das "Kostenproblem" ist weiter ungelöst. Der Linke-Stadtrat Oliver Müller hatte sich des Themas bereits vor Monaten angenommen und sieht eine Lösung in einer finanziellen Partnerschaft mit der wachsenden Zahl von Fernbusunternehmen, die den ZOB nutzen, dafür aber bislang nicht zahlen müssen.

Ein von der Verwaltung bereits bis zum 2. Quartal 2014 angekündigtes Konzept soll erst im 4. Quartal vorliegen.

 

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