Nach dem schrecklichen Unfall in Hordorf hat die Staatsanwaltschaft Magdeburg die Ermittlungen aufgenommen. Volksstimme-Chefreporter Bernd Kaufholz sprach mit der Leitenden Oberstaatsanwältin Uta Wilkmann über den Stand der Ursachensuche.

Volksstimme: Gibt es schon erste Hinweise darauf, was das Einsenbahnunglück ausgelöst haben könnte?

Uta Wilkmann: Natürlich stehen wir erst am Anfang der Ermittlungen. Aber es gibt gegen den 40 Jahre alten Lokführer des Güterzugs, der mit leichten Verletzungen davongekommen ist, einen Anfangsverdacht. Wir ermitteln wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und der Gefährdung des Bahnverkehrs.

Volksstimme: Worauf gründet dieser Anfangsverdacht?

Wilkmann: Auf Indizien, die dahin deuten, dass der Mann möglicherweise ein Haltesignal überfahren haben könnte. Näher möchte ich allerdings zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht darauf eingehen.

Volksstimme: Welche Strafen sieht das Strafgesetzbuch vor?

Wilkmann: Auf fahrlässige Tötung und Gefährdung des Bahnverkehrs steht jeweils eine Höchststrafe von fünf Jahren Freiheitsentzug.

Volksstimme: Stunden nach dem Unfall ging bereits das Gerücht um, dass sich der 40-Jährige eventuell unvorschriftsmäßig in der zweiten Lok, direkt vor den Waggons aufgehalten hat und nicht in der Führungslok.

Wilkmann: Diese Darstellung kenne ich. Auch das wird zu überprüfen sein.

Volksstimme: Wer ermittelt in diesem Fall?

Wilkmann: Es wurde eine gemeinsame Ermittlungsgruppe gebildet. "Hex" setzt sich aus Polizisten der Landespolizei, des Landeskriminalamts und der Bundespolizei zusammen.

Volksstimme: Haben Sie schon einen ersten Bericht vorliegen?

Wilkmann: Natürlich steht die Staatsanwaltschaft Magdeburg in ständigem Kontakt mit der Ermittlungsgruppe. Die zuständige Sachbearbeiterin, Oberstaatsanwältin Martina Klein, bekommt ständig die neuesten Informationen. Aber einen schriftlichen Bericht gibt es zum gegenwärtig frühen Zeitpunkt natürlich noch nicht. Sonntagabend wurden die kriminaltechnischen Untersuchen am Unfallort abgeschlossen.

Volksstimme: Wann, glauben Sie, könnte es zu einem Ermittlungsabschluss kommen?

Wilkmann: Wie in anderen Fällen auch kann das sehr schnell gehen, es kann aber auch Monate dauern. Je nachdem wie die objektive Beweislage aussieht oder wie Beteiligte sich äußern.

Volksstimme: Ist es richtig, dass Beamte der Bundespolizei bei der Identifizierung der Opfer helfen?

Wilkmann: Das ist richtig. Zwei BKA-Experten unterstützen die Polizei unseres Landes. Zur Identifizierung: Von den zehn Opfern konnten bisher erst zwei zweifelsfrei identifiziert werden. Natürlich ahnen wir schon, wer die übrigen acht Opfer sind. Aber natürlich wollen wir erst ganz sicher, wissenschaftlich fundiert wissen, wer die Opfer sind, ehe wir damit an die Hinterbliebenen herantreten. Zu den rechtsmedizinischen Untersuchungen gehört unter anderem, den sogenannten Zahnstatus abzugleichen. Insgesamt gestaltet sich die Identifizierung der Toten aufgrund ihres Zustands als sehr schwierig.

Volksstimme: Wurden die Fahrtenschreiber schon ausgewertet?

Wilkmann: Nein, die Ermittler sind gegenwärtig dabei, sie auszulesen.

Volksstimme: Zum Abschluss noch eine ganz persönliche Frage. Sie waren am Sonntag selbst am Unglücksort, was hat Sie bewegt?

Wilkmann: Zwei Dinge. Zum einen hat mich ein großes Mitgefühl mit den Opfern ergriffen und zum anderen war ich beeindruckt von der logistischen Leistung und von der Professionalität der Einsatzkräfte und Helfer. Die Ruhe, mit der die Männer und Frauen vor Ort zu Werke gingen, war nicht zu übersehen.