Historie: Spielbanken in Sachsen-Anhalt

Die Spielbanken-Geschichte von Sachsen-Anhalt ist geprägt von Pleiten, Pech und Pannen. 2009 hatte das Land die Spielbanken in Magdeburg, Halle und Wernigerode privatisiert. Vor allem, weil die Einnahmen aus Roulette, Black Jack und dem Automatenspiel stark eingebrochen waren - von 10,8 Millionen Euro (2002) auf zuletzt noch 5,3 Millionen Euro.

Das israelisch-zypriotische Unternehmen "Dare to Dream" kaufte die landeseigene Spielbanken GmbH für eine Million Euro und schmiedete große Pläne. Auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände in Vockerode sollte für 300 Millionen Euro ein Vergnügungspark entstehen - das "Las Vegas des Ostens".

Doch die Firma geriet in finanzielle Schieflage. Im Mai 2011 wurden alle drei Spielbanken geschlossen. Es folgte ein monatelanger Streit um den Weiterverkauf der Kasinos. Im Januar 2012 zog das Land die Notbremse und entzog dem Spielbanken-Betreiber die Lizenz. Rund 80 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. Im Oktober 2012 schrieb das Land die Spielbankenlizenz europaweit neu aus. Aus vier Bewerbern erhielt die Merkur Spielbanken GmbH Sachsen-Anhalt den Zuschlag.

Günthersdorf l Dort, wo früher Autos standen, soll ab November die Roulettekugel rollen. Das ehemalige Autohaus im Günthersdorfer Einkaufspark baut die Merkur Spielbanken GmbH zu einem Kasino um. 6,5 Millionen Euro werden investiert. Ab November will der Betreiber seine Gäste unter dem markanten Spitzdach zu Roulette, Black Jack, Poker und Automatenspielen empfangen.

Zwei Jahre nach der Pleite der Spielbanken Magdeburg, Halle und Wernigerode hatte Merkur im Frühjahr vergangenen Jahres bei der Neuvergabe der Spielbankenlizenz durch die Landesregierung den Zuschlag erhalten. Merkur gehört der Gauselmann-Gruppe, die 2012 rund 1,9 Milliarden Euro Umsatz verzeichnete und fast 8000 Mitarbeiter beschäftigte.

Der neue Lizenzinhaber will die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Die bisherigen Spielbanken seien gescheitert, weil sie nicht modern genug ausgestattet waren, erklärte die neue Spielbankdirektorin Claudia Bieling. "Wir wollen mit unserem Konzept Lockerheit und Freude vermitteln", so Bieling. Die neue Spielbank soll als normales Freizeitangebot wahrgenommen werden. Ein Zwang zum Spielen bestehe nicht. Mit 60000 Besuchern pro Jahr hat der Betreiber zunächst kalkuliert.

Wegen der günstigen Lage an der A9 und der Nähe zur Großstadt Leipzig sowie dem Flughafen Leipzig-Halle ist die Wahl auf Günthersdorf als neuen Standort gefallen. Dennoch hatte der Betreiber Probleme, ein Objekt zu finden. Überlegt wurde auch, sich in einem Teil des Einkaufszentrums Nova Eventis einzumieten. Dann fiel die Wahl auf das Autohaus in dem Ortsteil der Stadt Leuna.

Über die Spielbankabgabe wird auch das Land künftig an der Spielhalle mitverdienen. Merkur will in Magdeburg noch ein weiteres Casino eröffnen. Dafür sind nach Volksstimme-Informationen zwei Standorte in der engeren Wahl. Eine Immobilie liegt im Gewerbegebiet am Pfahlberg, die andere zwischen Dom und Hasselbachplatz am Breiten Weg.

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gelten in Sachsen-Anhalt rund 15000 Menschen als spielsüchtig. Wenn das Glücksspiel im November in Günthersdorf wieder beginnt, will das Casino mit Plakaten und Flyern auf die Suchtgefahr hinweisen. Zudem sei es möglich, sich als Spieler sperren zu lassen. Meinung

   

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