Magdeburg l Der Kastanienhain zwischen Breitem Weg und Dom ist eigentlich eine grüne Oase mitten in der Stadt. Doch seit ein paar Tagen wandelt sich das Bild. Das satte Grün weicht einem saft- und kraftlosen Blätterstand, der sich kräuselt und dann letztlich abgestorben zu Boden trudelt. Die Miniermotte, die jährlich in drei und mehr Generationen auftritt, hat dann ihre Arbeit erledigt, nicht nur am Dom. Auch gegenüber im Schatten von St. Sebastian oder entlang der Breitscheidstraße im Herrenkrug ist Jahr für Jahr dasselbe Schauspiel zu beobachten.

"Wir sind machtlos und können nicht mehr tun, als das Laub schnell zu beseitigen", hebt Simone Andruscheck die Arme. Magdeburgs oberste Stadtgärtnerin kennt den Befall mit der Miniermotte schon seit Jahren. 3050 Kastanien stehen in Magdeburg. Betroffen sind fast alle, soweit es sich um Rosskastanien handelt.

Als einzig wirksame Gegenmaßnahme setzt der Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe auf die Laubbeseitigung. In den abgestorbenen Blättern überwintern die Puppen des Schädlings, aus denen er dann im kommenden Jahr seinen Fraßfeldzug erneut startet. "Eine fachgerechte Laubbeseitigung ist daher sehr wichtig", so Andruscheck.

Eine halbwegs gute Nachricht gibt es aber dennoch. Die Bäume selbst haben den Befall der Miniermotte bisher immer überlebt. Langzeitstudien liegen allerdings noch nicht vor, weil die Motte erst seit rund 20 Jahren in Mitteleuropa auftritt. Immerhin. Der Schädling ist für den Menschen ungefährlich.

Das sieht beim Eichenprozessionsspinner schon anders aus. Der hatte bis vor kurzem Magdeburgs Eichen fest im Griff. 2001 trat er erstmals massenhaft in Magdeburg auf. Seitdem wird er bekämpft, vor allem im Mai. Etwa jede zweite der 5400 Eichen war betroffen. Simone Andruscheck: "Die biologische Bekämpfung und das Absaugen an den Bäumen zeigt Wirkung. Der Befall ist noch stark, aber rückläufig." Betroffen waren vor allem der Stadtpark, der Herrenkrug und Rothensee. Mitte Juli war an 150 Bäumen noch einmal eine Nachbekämpfung nötig. Trotz der Maßnahmen sollten die betroffenen Areale gemieden werden. Diese sind durch Absperrungen gekennzeichnet.