Magdeburg (vs) l Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Sachsen-Anhalt, Thomas Lippmann, hat Kritiker am Geschichtsunterricht aufgefordert, auf Allgemeinplätze zu verzichten und stattdessen "Ross und Reiter" zu nennen.

Lippmann reagiert damit auf eine Kritik der Beauftragten für die Stasi-Unterlagen im Land, Birgit Neumann-Becker. Sie hatte in der Volksstimme am Mittwoch das DDR-Verständnis von Lehrern bemängelt und dienstältere Lehrer aufgefordert, sich stärker mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Der "Geschichtsunterricht über die DDR sollte wenigstens unterschiedliche Sichtweisen berücksichtigen", so Neumann- Becker, und da hätten manche Lehrer "Schwierigkeiten".

Lippmann sieht darin einen pauschalen Vorwurf, der zu "einer völlig ungerechtfertigten Lehrerschelte und zur Diffamierung eines ganzen Berufsstandes" führe. Lippmann wirft Neumann-Becker indirekt vor, sie konstruiere Schlüsse über die Haltung der Lehrer, über Inhalte und Qualität des Unterrichts aus der "Teilnahmehäufigkeit von Lehrkräften an bestimmten Fortbildungen" und aus dem verbliebenen Wissen bei Schülern. Damit würde man sich aber "auf sehr dünnem Eis" bewegen. Vielmehr bedürfe eine zielführende Diskussion viel mehr Fakten und seriöser Untersuchungen.