Zielitz l Wenn ein 17-jähriger junger Mann nach einem Urlaub auf Fuerteventura in erster Linie den Besuch einer Straßenfarm in Erinnerung hat, mangelte es auf der Insel entweder an Alternativangeboten oder aber er hat eine besondere Beziehung zum Geflügel. "Hühner, Enten und Gänse habe ich schon seitdem ich denken kann", macht André Silex klar, dass für ihn Variante zwei zutrifft. Nun sollte noch etwas Exotisches, nämlich Strauße, den kleinen Geflügelhof in Zielitz bereichern. Es sollte ein Hobby sein, "aus einem Paar mal ein paar Küken ziehen", spricht er von seinen Ambitionen vor zehn Jahren.

Seine Straußenfamilie wuchs allerdings schneller als anfänglich gedacht. Nachdem er 2006 mithalf, eine Straußenfarm aufzulösen, neben weiteren Tieren auch Brutmaschinen und das Inventar des Hofladens übernahm, kam der Wendepunkt. Mittlerweile umfasste sein Bestand über 30 Tiere, aus dem Hobby wurde ein Nebenerwerb. Seine Straußenfarm am Fuße des Kalimandscharo nannte er in Anlehnung an seinen Arbeitgeber, das Kaliwerk in Zielitz, "Glück Auf".

Vom Fleisch bis zumKnochen wird alles genutzt

Silex träumte von der kompletten Produktionslinie, begonnen bei der Zucht, über das Brüten, die Aufzucht, die Schlachtung im eigenen Schlachthaus und die Direktvermarktung im Hofladen. Was fehlte war das Schlachthaus. Er investierte 2008 viel Geld, um die strengen Anforderungen zu erfüllen. Allerdings habe der Amtsschimmel zu laut gewiehert. Als die Behörde nach zahlreichen erfüllten Auflagen nun noch bemängelte, dass die Toilettentür zur falschen Seite öffnet, habe es ihm gereicht. Er hängte seinen Traum teilweise an den Nagel. Mittlerweile verkauft der Zielitzer nur den Nachwuchs seiner 40 Zuchttiere, die auf fünf Hektar weiden, zur weiteren Aufzucht an andere Straußenfarmen. Fleisch kauft er für die Direktvermarktung küchenfertig zurück. Seine Kunden nehmen auch längere Anfahrtswege in Kauf. Schon des Preises wegen ist Straußenfleisch nämlich kein Alltagsgericht. "Das Kilogramm Filet kostet 36 Euro", nennt der Zielitzer Zahlen. Zwölf bis 14 Monate alt wird ein Strauß, ehe er eine Schlachtausbeute von 20 bis maximal 30 Kilogramm liefert. Das Fleisch ähnelt geschmacklich dem des Rindes. Es ist sehr fettarm, "sollte deshalb nicht zu lange gebraten werden, sonst wird es zäh", so der Tipp von Silex.

Aus Straußenfleisch lassen sich all die Produkte herstellen, die auch vom Schwein bekannt sind, vom Schinken bis zur Leberwurst. Überhaupt ist der Vogel sehr vielseitig verwertbar, wie ein Blick in den Hofladen zeigt. Aus Federn werden Staubwedel, Eierschalen dienen, bemalt oder geschnitzt der Dekoration, und es werden sogar Lampen daraus gebaut. Besonders zu Ostern seien die Eier, leer oder voll, gefragt. Auch das Leder der Tiere wird verarbeitet. Silex kennt sogar Instrumentenbauer, welche die Knochen eines Straußes gebrauchen können. Nach der Schlachtung bleibt vom Vogel also nichts ungenutzt.

Ein Nandu im Garten istbesser als ein Strauß

Der Züchter schwärmt aber nicht nur vom Straußenprodukten, sondern auch von den Tieren an sich. Einige sind von den Augen und Wimpern der Tiere begeistert, ihm imponiert vor allem der Tanz der Hähne während der Balz. Auch bezüglich seines Brutverhaltens gehört der Strauß zu den wenigen Ausnahmen in der Vogelwelt. Mehrere Hennen legen in ein Nest und die Haupthenne sowie der Hahn teilen sich das Brutgeschäft. Die Küken werden anschließend von den Vätern geführt.

Zwischen 40 und 60 Eier legt jede seiner Hennen pro Jahr. Bebrütet werden die Eier in der eigenen Brüterei und nach 42 Tagen schlüpfen die Jungvögel. Ein bis zwei Wochen bleiben diese in Zielitz, werden dann zum Großteil an eine Partnerfarm an der Ostsee verkauft. Die Küken sind begehrt, denn Südafrika, bis vor drei Jahren Hauptimporteur für Strauße, musste bis auf Weiteres seine Märkte wegen der dort grassierenden Vogelgrippe abschotten. "Für uns kleinere Erzeuger ist das ein Vorteil", so Silex. Das Nachsehen hätten die größeren Betriebe, die bisher Fleisch zur weiteren Verarbeitung zukauften.

Obwohl die von Silex gehaltenen Simbabwe-Strauße mit Temperaturen bis minus 20 Grad kein Problem haben, ist ihre Zucht, besonders die Aufzucht, alles andere als leicht. "Die Zusammensetzung des Futters muss stimmen und auch das Wetter", weiß der Fachmann. Außerdem sind die Großvögel, so ein Hahn kann immerhin 2,70 Meter groß werden, keine Kuscheltiere. Ein Tritt vor die Brust kann böse Folgen haben. Hobbyhaltern, die nur einen "Rasenmäher" für den Vorgarten suchen, rät er deshalb von Straußen ab. "Wenn es schon ein Großvogel sein soll, dann eher ein Nandu", so der Tipp des Experten. Auch die hat er im Angebot, ebenso Lamas. Geblieben sind selbstverständlich auch die Hühner, Enten und Gänse.

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