Salzwedel l Das Heulen des Motors durchbricht die nächtliche Stille. Die dunkle Straße wird nur schwach durch die Autoscheinwerfer erleuchtet. Am Wegesrand blitzen die Reflektoren der Leitpfosten auf. Doch dann! Ein Schatten huscht über die Straße. Der Fahrer tritt das Bremspedal durch - doch es ist zu spät. Ein lautes Quietschen, ein Knall, ein heftiger Ruck. Dann folgt wieder Stille. Der Wagen ist demoliert, vor der Karosse liegt ein verletztes Reh - ein typisches Szenario eines Wildunfalls. Doch was nun?

"Erst einmal die Unfallstelle sichern und dann die Polizei anrufen", sagt Kriminalhauptkommissar Frank Semisch vom Polizeirevier Altmarkkreis Salzwedel. Denn die Polizei nimmt nicht nur den Unfall ins Protokoll auf, das für die Kfz-Versicherung des Fahrzeughalters später wichtig ist, sondern informiert auch den zuständigen Jagdpächter, der sich um das angefahrene oder gar tote Tier kümmert. Ist es so schwer verletzt, das es sich quält, ist die Polizei berechtigt, es an Ort und Stelle von seinen Qualen zu erlösen.

Schaden auf jeden Fall melden

Ist das Wild nach dem Unfall geflüchtet und das Auto noch fahrtüchtig, kann der Betroffene auch zur nächstgelegenen Polizeidienststelle fahren und den Unfall melden, informiert Frank Semisch. Dann empfiehlt es sich auch, die Unfallzeit und den -ort zu notieren und - wenn möglich - auch ein Foto von der Unfallstelle und dem Schaden am Fahrzeug zu machen.

Das gelte ebenso bei Kleintieren wie Füchsen oder Hasen. Auch hier sollte die Polizei nach einem Unfall verständigt werden aus zweierlei Gründen, berichtet Semisch. Zunächst sei es ein Verstoß, den Kadaver auf der Straße einfach liegen zu lassen. Wird die Polizei eingeschaltet, veranlasst diese die Beseitigung. Und zweitens könnte beim Aufprall ein Schaden am Fahrzeug entstanden sein, der sich vielleicht erst viel später zeigt. Dann wird es schwierig, den Schaden über die Versicherung zu regulieren, da der Unfall nicht von der Polizei registriert worden ist.

Wildunfälle häufen sich seit einigen Wochen im Altmarkkreis. Nahezu täglich laufen Meldungen bei der Polizei ein. Doch warum? Zum einen liege das an der Erntezeit, zählt Frank Semisch auf. Wildtiere hielten sich oft in Verstecken auf Feldern auf. Doch sobald die Flächen gemäht werden, würden sie aus ihrem Versteck gedrängt. Auf der Flucht vor den Erntemaschinen gerieten sie dabei auch auf die Straße.

In der Paarungszeit langsamer fahren

Ein anderer Grund ist die Blattzeit. Die Rehe befinden sich in der Paarungszeit und kreuzen häufiger die Straße. "Sie rennen recht blind durch die Gegend", sagt Frank Semisch. Die Paarungszeit wird die Wildtiere noch eine Weile beschäftigen. Im September geht es beim Rotwild weiter, im Herbst mit dem Damwild, und im Dezember sind die Wildschweine aktiv, so Semisch.

Besonders die Dämmerungs- und Nachtzeit ist für das Wild von großer Bedeutung. "Das ist aber keine Garantie, dass das am Tag nicht passiert", warnt Semisch. Deswegen sei es wichtig, seine Fahrgeschwindigkeit anzupassen, vor allem auf Strecken, bei denen Verkehrsschilder vor Wildwechsel warnen. Denn es sei ein Unterschied, ob man mit Tempo 100 oder Tempo 60 mit einem Reh zusammenstößt.

Je langsamer das Auto unterwegs ist, desto geringer falle der Schaden aus. Auch die Witterung sollte beachtet werden. Nebel, Regen oder Laub beeinträchtigen die Sicht des Fahrers. Und auch Leitplanken seien keine Garantie dafür, dass dort kein Wildtier auf die Straße läuft, informiert Frank Semisch. Denn das Wild sei unberechenbar und könnte sogar umkehren und noch einmal über die Straße laufen.

Zahl der Wildunfälle sinkt

Und wenn nun plötzlich ein Tier auf die Fahrbahn springt? Semisch empfiehlt, sofort scharf zu bremsen, das Lenkrad festzuhalten, das Licht abzublenden und zu hupen, um das Wild zu verscheuchen. Vom Ausweichmanöver rät der Experte dringend ab. Denn das Auto könnte dabei von der Straße geschleudert werden. "Das sollte man vorher mal trainiert haben", so Frank Semisch.

Einen bestimmten Zeitpunkt oder gar Strecken, wo sich besonders Wildunfälle häufen, gebe es hingegen nicht. Ein positives Fazit hat Semisch dennoch: Die Anzahl der Wildunfälle ist im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um zehn Prozent gesunken. Doch die würde nach wie vor schwanken.