Magdeburg l Die Karstadt Filiale in Dessau-Roßlau hat nach der Übernahme des Konzerns durch den österreichischen Investor René Benko offenbar keine Zukunft. Nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung "Handelsblatt" sieht Benkos Rettungsplan vor, anhaltend verlustreiche Karstadt-Häuser aufzugeben. "Ich befürchte die Schließung", sagte Oberbürgermeister Peter Kuras (FDP) am Montag der Volksstimme.

Offizielle Geschäftszahlen der einzelnen Standorte gibt der Karstadt-Konzern nicht heraus. Das Haus in der Bauhaus-Stadt gilt aber seit Jahren als defizitär. "Dessau-Roßlau ist ein schwieriger Standort", sagte Geschäftsführer Dennis Heitbreder. Seine Mitarbeiter würden "alles geben", um die Kunden in das Warenhaus zu locken.

Das Karstadt-Haus in Magdeburg mit 200 Mitarbeitern bleibt von Schließungsplänen hingegen verschont. Die Geschäftsführung des Standortes wollte sich auf Volksstimme-Anfrage nicht äußern. Nach Aussage von Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) ist das Haus aber profitabel. "Wir hoffen auf Investitionen. Nur so kann sich Karstadt künftig auf gesunde Beine stellen", sagte er.

Am Donnerstag trifft sich der Karstadt-Aufsichtsrat, um über die Sanierung des Konzerns zu beraten. Jedes Haus soll dabei auf den Prüfstand kommen.

Aus Kaufhäusern sollen Einkaufsmeilen werden

Attraktive Standorte, darunter auch Magdeburg, plant Benko in Einkaufsmeilen mit Markenhändlern zu verwandeln. Der Konzern selbst werde saniert - mit neuer Organisation und Informationstechnik. Danach rückt nach einem Bericht des "Handelsblatts" sein eigentliches Ziel in den Vordergrund: die Schaffung einer Deutschen Warenhaus AG, also die Fusion von Karstadt mit dem Rivalen Kaufhof.

Die Gewerkschaft Verdi forderte den neuen Karstadt-Eigentümer auf, ein umfassendes Konzept für die Zukunft der Warenhauskette zu präsentieren. "Im Moment wissen wir nicht, was Herr Benko vorhat. Wir hoffen, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben und in die Filialen investiert wird", erklärte der Verdi-Sprecher für Sachsen-Anhalt, Jörg Lauenroth-Mago. Die Karstadt-Mitarbeiter seien von dem bisherigen Eigentümer Nicolas Berggruen "bitter enttäuscht", sagte die Sprecherin des Verdi-Bundesvorstands, Eva Völpel, der Volksstimme.

Am Freitag war bekanntgegeben worden, dass Berggruen die 83 verbliebenen Karstadt-Warenhäuser für einen Euro an René Benko verkauft. Seite 6

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