Altstadt l Am Sonnabend bis Mitternacht hat die homosexuelle Gemeinde mit vielen Gästen den CSD auf dem Alten Markt gefeiert (Volksstimme berichtete). Organisatoren und Besucher, darunter zahlreiche politische Unterstützer, erachten das Fest, mit dem Schwule und Lesben um Akzeptanz werben, als gelungen. Die Polizei meldet: keine Vorkommnisse. Dem Stadtordnungsdienst kommen keine Klagen, etwa von Anwohnern, zu Ohren. Bei der Volksstimme meldet sich am Sonntagmittag dennoch ein empörter Magdeburger zu Wort. Oberbürgermeister Lutz Trümper persönlich greift zum Telefon, um der Redaktion sein Entsetzen kundzutun, als er am Tag nach der Party "durch Zufall" den Markt aufsucht. "In so einem Zustand habe ich den Platz an einem Sonntagmittag in meiner 13-jährigen Amtszeit noch nicht gesehen. Leere Flaschen, Berge von Papier. Der Alte Markt sieht aus wie ein Saustall."

Die Volksstimme hat beim Besuch des CSD am Sonnabend nicht den Eindruck einer besonders schmutzigen Party gewonnen. Im Gegenteil waren die Veranstalter zum Beispiel mit Glaspfand bemüht, den Müll in Grenzen zu halten. Die Redaktion geht der Beschwerde von Trümper nach und findet den Platz am Sonntag gegen 15 Uhr in gesäubertem Zustand vor. Ein Trupp ehrenamtlicher Helfer, darunter CSD-Vereinschef Mathias Fangohr, pult gerade Kippen aus den Pflastersteinen. Mülltüten stehen zum Abtransport bereit. Mit den Vorwürfen des Stadtoberhauptes konfrontiert, ist Fangohr fassungslos. Er hat die Sondernutzungserlaubnis dabei und zitiert daraus, dass der Platz am Montag um 12 Uhr geräumt zu übergeben ist. Eine Beschallung über das Veranstaltungsende am Sonnabend um 24 Uhr hinaus war zum Schutz der Anwohner ausdrücklich und auch zum Zwecke von Aufräumarbeiten verboten worden. Fangohr, bis zur Konfrontation mit Trümpers Kritik noch ganz vom Fest ergriffen, ist nun fast den Tränen nahe: "Ich begreif´s nicht. Wir arbeiten mit den Ämtern gut zusammen. Alle unterstützen uns, auch die Ratsfraktionen. Und nun das."

Hintergrund für Fangohrs Fassungslosigkeit sind die jahrealten Befindlichkeiten des OB gegenüber der schwul-lesbischen Gemeinde. Bis 2011 hatte Trümper zehnmal in Folge die Übernahme der CSD-Schirmherrschaft abgelehnt. Die Organisatoren quittieren seine nachträgliche und öffentliche Reformande für den ersten CSD auf dem Alten Markt mit Kopfschütteln. "Nachdem wir den Platz gereinigt haben, sind hier die FCM-Fans drüber gezogen und haben ihren Müll hinterlassen. Während wir per Hand aufsammeln, fuhr da die Stadtreinigung gleich hinterher."

Trümper verwahrt sich gestern auf Nachfrage gegen die Unterstellung, seine Kritik ziele auf den speziellen Veranstalter ab. "Ich bin gerade aus dem Urlaub gekommen und wusste gar nicht, wer da am Vorabend gefeiert hat." Er habe "nichts dagegen, was die da machen", aber so könne keiner den Markt hinterlassen. "Dass man für Sauberkeit sorgt, noch bevor der Platz am Montag zurückgegeben wird, gehört natürlich zu den Auflagen für jeden Veranstalter."

Als eine Mitarbeiterin der Ordnungsbehörde gestern den Platz inspiziert ist sie weitgehend zufrieden. Gegen Auflagen hätten die Veranstalter nicht verstoßen. Beim nächsten Mal wolle man ein frühere Reinigung, vielleicht bis Sonntag 10 Uhr, konkret festschreiben, sind sich beide Seiten einig. Auch um Bürgerkritik vorzubeugen.

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