Erlebnisgastronomie ist gerade richtig hip. Familie Wagner hat das längst erkannt und den Trend an die Autobahn gebracht. Nicht etwa mit Krimimenüs oder Essen im Dunkeln. An ihrem Würstchenimbiss an der A9 besteht das Erlebnis im Bestellprozedere. Das läuft folgendermaßen ab: Als erstes darf der Gast auf dem Rastplatz eine Glocke läuten - wie ein echter Rummelverkäufer! So macht er auf sich aufmerksam. Danach testet er seine Fähigkeiten als Marktschreier. So laut er kann, ruft er seine Bestellung. Es folgt ein schauspielerisches Element. In Rotkäppchen-Manier trägt die Imbiss-Chefin das Essen in einem Korb herbei. Im Finale präsentiert sie dann noch eine akrobatische Nummer: Sie klettert auf eine Leiter und reicht die Wurst über einen Zaun. Genial.

Von allein wäre Familie Wagner wohl nie auf diese Idee gekommen. Ihre Muse war das Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr. Denn das will - zumindest offiziell - mit Hilfe des Zauns die Würstchenwirtschaft unterbinden. Der einstige Rasthof ist nämlich seit ein paar Jahren nur noch Rastplatz - und der muss verkaufsfreie Zone bleiben. Doch das ist sicher nur ein Vorwand. Eigentlich wollte die Behörde wohl einfach etwas Kreativität aus den Wagners kitzeln. Hat ja auch funktioniert. Nur wollen die einheimischen Besucher jene guten Absichten einfach nicht erkennen. Als neulich ein Fernsehteam dort war, präsentierte ein Zaungast stattdessen eine ganz andere Theorie: "Die sagen sich: Die waren früher eingesperrt - sollen sie jetzt doch hinter`m Zaun weiteressen!"