Beyendorf-Sohlen l "Niemand fragt uns zum Ausbau. Und das ist mir äußerst unverständlich", brachte Jürgen Tiedge seinen Unmut während der Ratssitzung am Montag zum Ausdruck. Dabei liege das Doppeldorf in Nachbarschaft zum Flugplatz und sei - gesetzt den Fall eines Ausbaus - von den Auswirkungen unmittelbar betroffen. Im Zuge des Planfeststellungsverfahrens im Jahre 1998 sei der damalige Gemeinderat Beyendorf als Träger öffentlicher Belange gegenüber dem Land "ein Partner gewesen, heute ignoriert uns die Stadt. Und das ist Absicht", so Tiedge weiter.

Hintergrund: Das Wirtschaftsdezernat hatte ein neues Gutachten zum Flugplatz vorgelegt. Demnach werde die derzeit 1000 Meter lange Start- und Landebahn den neuen europarechtlichen Auflagen für den gewerblichen und nichtgewerblichen Flugverkehr nicht gerecht, die in Deutschland spätestens ab August 2016 greifen. Um den Status eines Geschäftsflughafens (ohne Charter- und Linienflüge) zu sichern, bedürfe es eines Ausbaus der Bahn auf 1800 Meter. Kostenpunkt: etwa acht Millionen Euro. An einem Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahr 2000, der Baurecht für eine Verlängerung schafft, wird festgehalten (Volksstimme berichtete).

Besonderer Knackpunkt für den Ortschaftsrat ist die Teilverlegung der Bundesstraße (B) 71 (L 50), die bei einem Ausbau kommen würde: Es wird befürchtet, dass die Verlegung im Zuge einer "Unterstützung eines Unternehmens" auch ohne Flugplatzerweiterung ermöglicht werden soll. "Welche Anbindung erfolgt an die Ottersleber Chaussee?", nannte Jürgen Tiedge als Sprachrohr für die Ratsmitglieder einige der Fragen. Kommt die Streckenführung, wie sie laut Ortsbürgermeister Siegfried Geue im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) 2025 bereits aufgenommen sei, "dann gibt es keine direkte Zufahrt nach Magdeburg." Nachteilig sei dies auch für den Schulbusverkehr nach Reform.